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durch gesellschaftliche Strukturen auf die Identität auswirkt: „Nur
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sehr wenige Individuen bringen die Kraft auf, ihre eigene Identität
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zu wahren, wenn ihr sozialer, politischer und juristischer Status
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völlig verworren ist.“ (ebd., S. 26). Gesellschaftliche Bagatellisierung
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oder Nichtanerkennung der Schrecken vernichten Würde und Anerkennung. So dauerte es eine viel zu lange Zeit, bis Überlebende
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sexueller Gewalt öffentliche Anerkennung erfuhren, die geringen
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Ausgleichszahlungen sind immer noch ein Skandal. Auch der gesellschaftliche Umgang mit den Menschen, die aus Kriegs- und
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Armutsgebieten flüchten mussten, erkennt die Lebensleistungen
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und den Schmerz nicht an (Kap. 1.9). „Die gesellschaftliche aber
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auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Trauma war
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und ist häufig geprägt von einer Entwertung der Opfer und deren
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Leiden, welche den ‚Normalbürger/innen‘ als Schutz gegen eine Verunsicherung ihres basalen Sicherheitsgefühls und ihres Selbst- und
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Weltverständnisses dient, wie dies z. B. beim ‚blaming the victim‘
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der Fall ist […]“ (Brandmaier/Ottomeyer 2016, S. 344,). Die daraus
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folgende gesellschaftliche Verweigerung von → Empathie und Anerkennung von Leid fördern Abspaltung, es entsteht eine Amnesie
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des Schmerzes, die als Gefühlstaubheit – auch eine dissoziative Erscheinungsform – vor Überflutung von Gefühlen schützt, die die
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Gesellschaft nicht wahrnehmen will, nicht erlaubt.
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Und vielleicht muss als Folge das Eigene bekämpft, als fremd
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von sich gewiesen werden. Die Identität bezieht sich dann sehr auf
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die Anpassung an Erwartungen anderer und an äußere Strukturen,
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ein authentisches Selbst wird nur schwer entstehen. Diese Dynamik
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wirke einerseits individuell und andererseits gesellschaftlich. Arno
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Gruen beschreibt in seinem Buch „Der Fremde in uns“ wie die Abspaltung der Schrecken der Kindheit zur Verachtung für das Leben
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anderer führen kann: „Die Verachtung anderer (wird so, Anm. der
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Verf.) zur Basis einer Identität, der das Eigene fehlt, die haßt, was
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sie hätte sein können, und die deshalb das Fremde braucht, um dort
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das eigene ‚Fremde‘ bestrafen zu können.“ (Gruen 2002, S. 190). Auf
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diesem Weg wird Gewalt weitergetragen, Gewalt gegen sich selbst
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und gegen andere Menschen, Minderheiten und Menschen, die das
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eigene Weltbild infrage stellen. „Dies geschieht so lange wie das
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eigene Opfer nicht erkannt werden darf.“ (Gruen 2002, S. 23). Ein
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