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Raw Blame History

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das Trauma vorbei ist, individualisiert zudem und identifiziert das Individuum dann auch noch als gestört.“ (Andreatta 2017, S. 385). Damit wird die Lebensleistung der Menschen aus herausfordernden Lebensumständen schlicht ignoriert. Zudem sei die zunehmende Orientierung an der psychiatrischen Diagnostik die Ursache für die Aufgabe der Frage nach gesellschaftlichen Zusammenhängen von Entstehung und Aufrechterhaltung von Traumata (vgl. Brensell 2017, S. 135).

Individualisierung versus Kontextualisierung

Und noch eine diagnostische Kategorie beeinflusst den Traumadiskurs: „In der ICD 10 werden zwar mögliche Auslöser einer posttraumatischen Belastungsstörung benannt, doch werden Gewalt und Folter als potentielle Auslöser mit Naturkatastrophen gleichgesetzt. Damit geschieht eine Naturalisierung von Gewalt […].“ (Brensell 2017, S. 135). Gesellschaftliche Zusammenhänge würden verdeckt und unauffindbar gemacht. Auch die Priorisierung evidenzbasierter Medizin führe zu Verfahren, z. B. standardisierte Kurzinterventionen wie die Narrative Expositionstherapie die implizieren, dass Gewaltfolgen losgelöst von sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten bearbeitet werden können (ebd., S. 137). Die Individualisierung traumatischer Erfahrungen verschließt den Raum des Verstehens eben jener Erfahrungen für den Einzelnen. Die Ausblendung gesellschaftlicher Machtverhältnisse zementiert das Gefühl, schuldig und nicht normal zu sein. Die in den Diagnosen angelegte Pathologisierung beeinträchtigt Selbstbemächtigung. Eine emanzipatorische Traumabewältigung braucht Konzepte, die den sozialen und gesellschaftlichen Kontext einbeziehen. Traumata haben immer eine gesellschaftliche Komponente, sie entstehen in Strukturen, die die Ausbeutung von Menschen durch Menschen zulassen. Da die Gesellschaft dieses leugnete, war die Enttabuisierung z. B. von Kriegsgewalt und sexueller Gewalt gegen Frauen immer mit politischen Bewegungen verbunden. Es scheint so, als bräuchten wir diese Bewegungen heute dringender denn