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3.2
Was schwer zu lösen ist
Die bisherigen Bindungserfahrungen der Mädchen und Jungen beeinträchtigen die Entwicklung des eigenen Bindungsverhaltens. Und
sie beeinträchtigen die Offenheit für neue, korrektive Erfahrungen.
Nach vorliegenden Studien der → Bindungstheorie (Bowlby 1974;
Grossmann/Grossmann 2015) liegen sichere und unsichere
Bindungsqualitäten im Rahmen durchschnittlich normaler ElternKind-Beziehungen. Traumatisierte Kinder aber haben erhebliche
Beeinträchtigungen in ihrem Bindungsverhalten.
Philipp, Jana, Sabine, Michael und Julia kennen die Geborgenheit nicht, die Menschen ein Leben lang tragen kann und sollte.
Sie kennen das Urvertrauen als Basis aller Beziehungen und Werte
nicht. Sie sind unsicher ambivalent, unsicher-vermeidend (Ainsworth
1978) oder gar hochunsicher, bzw. desorganisiert gebundene Kinder.
Sie entwickeln ihrerseits innere Arbeitsmodelle von Bindung, →
Bindungsrepräsentationen, die diesen Erfahrungen entsprechen.
Die hochunsichere Bindungsrepräsentation wird in der Fachöffentlichkeit auch als desorganisiert, unresolved oder als cc: cannot
classify bezeichnet. Sie beinhaltet ein hohes Potenzial von Angst
z. B. vor den Bindungspersonen oder auch Angst der Bindungspersonen. Diese Klassifikation ist den drei Hauptklassifikationen
vorgelagert und wird als Ergänzung zu diesen vergeben. Sie kann
alle Hauptklassifikationen überlagern. Sie ist häufig ein Hinweis auf
unbewältigte Traumata oder unverarbeiteten Objektverlust (Grenn/
Goldwyn 2003) und scheint eher an eine bestimmte Beziehung gebunden. Misshandelte und/oder vernachlässigte Kinder haben ein
großes Risiko, desorganisierte Bindungsmuster zu entwickeln. 48
bis 77 % der Kinder (klinische Stichproben), die desorganisierte
Bindungsmuster zeigten, hatten misshandelnde Eltern, 35 % waren
Kinder alkohol- oder drogenabhängiger Mütter, so die Ergebnisse
einer Metaanalyse aus 80 Studien (van IJzendoorn et al. 1999).
Die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung über Bindungsrepräsentationen von Jugendlichen (n=72) im Heim bestätigen die
Annahme, dass den Mädchen und Jungen in Heimen fast ausschließlich eine unsicher vermeidende oder eine hochunsichere
Bindungsrepräsentation zur Verfügung steht (Schleiffer 2009,