2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/060.md

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zu dem Täter, der Täterin bestimmen ausschlaggebend den Grad
der Schädigung.
Sonja ist heute sechsundzwanzig Jahre alt. Sonja spielt mit Leidenschaft Fußball im Verein, sie ist eine aufgeschlossene junge Frau. Sonja wuchs bei ihrer
Oma auf, dort fühlte sie sich sehr wohl. Nach deren Tod, als Sonja sechs Jahre
alt war, zog sie zu Mutter und Stiefvater. Diese haben vier gemeinsame Kinder.
Der Stiefvater missbrauchte Sonja von Anfang an. Mit fünfzehn Jahren vertraute sie sich ihrer Lehrerin an. Das zuständige Jugendamt glaubte Sonja und
schützte sie sofort. Sonja kam so wie sie es wollte in ein Heim. Auch der
Richter glaubte ihr. Auf ihren Antrag hin wurde das Sorgerecht dem Jugendamt übertragen. Sonja konnte über das Geschehene in einer Therapie und mit
den Pädagog*innen im Heim reden. Zwei Jahre später sah sie sich in der Lage,
den Stiefvater anzuzeigen. Dieser wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Sonja
hat einen Beruf und lebt heute mit ihrem Mann und zwei eigenen Kindern zusammen, kann ihre Grenzen formulieren und sich ihres Lebens freuen.
Beziehungen zu einer konstanten Bezugsperson, dies können
Großeltern wie bei Sonja ihre Oma, Geschwister, Pädagog*innen
etc. sein, haben eine wesentliche protektive Bedeutung. Vor allem
die Liebe von Sonjas Oma, aber auch die Berücksichtigung ihrer
Subjektstellung im weiteren Hilfeprozess, die Tatsache, dass das
gesamte Helfersystem einschließlich des Gerichtes Sonja glaubte
und nicht zuletzt Sonjas Humor sind Grundlagen für die gelungene
Verarbeitung des traumatischen Geschehens.
Mittlerfaktoren und protektive Faktoren
Prätraumatische psychische Ausgangslage
Geschlechtszugehörigkeit, Mädchen gelten als resilienter als Jungen
Alter des Kindes
Stabilität und Ausgewogenheit der Ich-Funktionen
Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen
Chronizität und Schwere der Misshandlung
Beziehung zu Täter/Täterin