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auch um diese finanzieren zu können. Es sei keine Seltenheit, dass
Müttern ihren Töchtern zu Flucht verhelfen z. B. um Zwangsheirat zu verhindern. Weil die Mütter sich damit in Lebensgefahr
bringen, hätten die Mädchen wahnsinnige Schuldgefühle, so die
Mitarbeiter*innen des Mädchenhaus Bielefeld (Chantal Louis:
Geflüchtete Mädchen, Emma Mai/Juni 2018, auch http://www.
maedchenhaus-bielefeld.de/files/inklusion/pdf/verschiedenes/
MädchenundFlucht_2016.pdf, Abruf: 16.08.2020). Nicht wenige
sind schwanger. Diese besonderen leidvollen Erfahrungen erfordern
eine Begleitung der Bearbeitung auch der geschlechtsspezifischen
Belastungen.
Die lebenslangen Auswirkungen der traumatischen Erfahrungen
sind oft in der letzten Sequenz, der Zeit danach, zu verorten, weil
der soziopolitische und gesellschaftliche Umgang mit dem Erlittenen sich perspektivisch auswirkt (Keilson 1979; Becker 2006).
Die Menschen hoffen, nach der Flucht in Sicherheit zu sein und
erleben extremer Unsicherheit. Und so befinden sich zum Beispiel
unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Phase der Adoleszenz
mit ihren spezifischen Entwicklungsaufgaben in der Gleichzeitigkeit
von Flucht, Unsicherheit und Adoleszenz. Dies wird die extreme
psychische Belastung noch einmal steigern und kann jugendliches
Risikoverhalten, Alkohol und Drogenmissbrauch befördern. Die
Chronifizierung der Vorläufigkeit und Perspektivenlosigkeit im
Aufnahmeland bedeutet für Jugendliche wie Juval, dass es ihnen
an Entscheidungs- und Handlungsräumen, Möglichkeiten von
Kontrolle und Beeinflussbarkeit ihrer Situation mangelt. Und dies
unterscheidet sich nur gering von der Ohnmacht und Hilflosigkeit,
welche vor und während der Flucht bestanden. Und dabei wollen
sie doch nur ein ganz normales Leben.
Literaturtipps zur Flucht
Kühn, M./Bialek, J. (2017): Fremd und kein Zuhause. Traumapädagogische Arbeit
mit Flüchtlingskindern.
Preitler, B. (2016): An ihrer Seite sein: Psychosoziale Betreuung von traumatisierten
Flüchtlingen. Innsbruck.
UNHCR Österreich (2016): Flucht und Trauma im Kontext Schule. Ein Handbuch
für Pädagog*innen.
Karpenstein, J./Flory, L./Teigler, L. (2020): Trauma und Traumasensibilität in der
Arbeit mit jungen Geflüchteten. In: Sozialmagazin, Heft 12, 45. Jg., S. 8693.