2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/053.md

2.2 KiB
Raw Blame History

53 Eindrückliche Beschreibungen der Lebenssituationen von Kindern psychisch kranker Eltern und Handlungshinweise sind als Broschüren bei der Initiative für Kinder psychisch kranker Eltern „Netz und Boden“ über https://www.netz-und-boden. de zu beziehen, initiiert von Katja Beck 1999, Abruf 16.08.2020.

1.8

Behinderung als traumatische Lebenserfahrung

Nach der materialistischen Behindertenpädagogik von Feuser (https://www.georg-feuser.com, Abruf 16.08.2020) und Jantzen (2001) ist Behinderung sozial vermittelt und historisch begründet. Menschen mit Behinderungen erleben vielfache Demütigungen wie sozialen Ausschluss, Entwertung ihrer Lebensform und physische Demütigungen. Dies gilt für alle unterschiedliche Formen. Mädchen und Jungen mit kognitiver Beeinträchtigung werden alleine schon durch die Begrifflichkeit geistig behindert belastet. Sie sind vielfach von sozialer Teilhabe ausgeschlossen. Auch Schädigungen des Körpers und der motorischen Entwicklung sind im Kindes- und Jugendalter große Belastungen. In diesen Lebensphasen spielen Bewegung und → Exploration eine wichtige Rolle. Abweichungen in Funktionsfähigkeit und Aussehen der Mädchen und Jungen stellen sie vor spezifische Herausforderungen. Ob sie Unterstützung dabei bekommen, hängt maßgeblich von der familiären Situation und von der Art und Weise ab, wie unsere Gesellschaft Menschen mit einer differenten Körperlichkeit wahrnimmt. Möglicherweise ist ihr Risiko höher, Gewalterfahrungen ausgesetzt zu sein. In der Studie zu Lebensbelastungen von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen (BMFSFJ 2013) war die extrem hohe Betroffenheit der gehörlosen Frauen durch sexuelle Gewalt auffällig. Es ist davon auszugehen, dass körperliche und geistige Behinderungen auch durch traumatische Erfahrungen wie extreme körperliche Gewalt oder Ereignisse, wie zum Beispiel Unfälle oder misslungene medizinische Eingriffe verursacht werden. Eine explorative Studie mit Erwachsenen mit angeborener Köperbehinderung zeigt, dass „[…] medizinische Eingriffe und Behandlungen für Kinder eine erhebliche Belastung darstellen können.“ (Gebrande/Schäfferling 2019, S. 210). Schmerzhafte Prozeduren und angsterregende Behandlungserfahrungen, deren Sinn nicht immer nachvollziehbar