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Ohnmacht/Hilflosigkeit: Die grundlegende Missachtung seines Willens, seiner
Bedürfnisse und Wünsche und die (fortgesetzte) Verletzung seiner körperlichen
Integrität konfrontieren das Kind mit Gefühlen der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Die Überzeugung der eigenen Kontrollfähigkeit wird ständig untergraben.
Stigmatisierung: Das missbrauchte Kind wird mit den negativen Bedeutungen
und Implikationen von sexuellem Missbrauch und Opfersein konfrontiert.
Traumatische Sexualisierung: Die Sexualität (sexuelle Empfindungen und Einstellungen) des Kindes wird in einer Weise geprägt, die nicht dem Entwicklungsstand des Kindes entspricht und die zwischenmenschlich dysfunktional ist.“
Jeder dieser Faktoren hat eigene Dynamiken, Auswirkungen und
Verhaltensmanifestationen. Der Verrat kann zu Misstrauen, Wut
und Feindseligkeit, zu tiefer Trauer und Depression führen. Im Verhalten kann der Verrat eine Manifestierung der Opferrolle bedeuten:
Die 13-jährige Laura lebt seit drei Jahren in der Wohngruppe. Sie ist unauffällig
und zurückgezogen. Laura wurde von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht.
Laura hat Angst um ihre alkoholkranke Mutter und um ihren jüngeren Bruder.
In der Hauptschule kommt sie gerade so mit. Laura hat keinen eigenen Standpunkt, sie passt sich allen an, sie hilft allen, sie will es allen recht machen, sie
redet allen nach dem Mund. Laura geht mit allen mit, lässt alles geschehen.
Die erlebte Ohnmacht führt zu der Überzeugung, nichts bewirken
zu können. Sie erklärt das Selbstbild. Auch Angst- und Panikattacken, → Dissoziationen, Zwänge und Phobien sind den Ohnmachtserfahrungen geschuldet. Die Stigmatisierung verstärkt den
Zwang der Geheimhaltung und führt zur Isolation, dem Gefühl
nicht dazuzugehören. Schuld und Scham prägen den Selbstwert.
Daraus folgen häufig Verhaltensweisen wie Suchtentwicklungen
und/oder Autoaggression. Aufgrund der unangemessenen Einwirkungen auf die Sexualität entstehen spezifische Auswirkungen
wie z. B. die Verwirrung der sexuellen Normen, der sexuellen Identität, die Verwechslung von Sexualität mit Liebe, die übermäßige Beschäftigung mit Sexualität und zwanghafte sowie aggressive sexuelle
Verhaltensweisen.