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begegnen. Sie haben einen langen und prägenden Zeitraum ihres
Lebens unter traumatischen Lebensumständen verbracht. Diese
Kinder, ihre Leidensgeschichten, aber auch ihr Lebensmut, ihre Kraft
und ihr Humor haben mich veranlasst, dieses Buch zu schreiben.
Die Kinder sind wirkliche existierende Kinder, keine Konstrukte.
Ich habe sie in den vielen Jahren persönlich oder vermittelt über
Beratungen kennengelernt. Die Auswahl der Kinder erfolgte nicht
systematisch im wissenschaftlichen Sinne, es sind Mädchen und
Jungen, deren Gesichter und Geschichten sich mir einprägten.
In der Heimerziehung habe ich Pädagog*innen kennengelernt,
die mit Enthusiasmus und Empathie Kinder wie Philipp und Jana
begleiten. Sie lassen sich durch deren Lebensgeschichten erschüttern
und investieren unglaubliche Kraft und Energie. Auch dieser Eindruck war Motivation für dieses Buch. In einer qualitativen Studie
(Weiß 1999) habe ich mit sieben Pädagog*innen ihre Belastungsfaktoren in der Arbeit untersucht. Die in diesem Buch zitierten Aussagen von Pädagog*innen stammen aus dieser Arbeit. Die Altersangaben der Mädchen und Jungen habe ich seit der 6. Auflage nicht
verändert, Rechnen ist nicht meine Kernkompetenz. Wenn also Ihr
Euch erkennt, verzeiht mir diese Nachlässigkeit.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil A geht es um
die Existenz psychotraumatischer Erfahrungen. Obwohl die Gefahr
eines inflationären Gebrauches des Wortes Trauma besteht, ist dies
im Vergleich zu Begriffen wie Gefährdungslagen oder Risikofaktoren
die genauere Bezeichnung. Die Traumaforschung hat wertvolle Erkenntnisse für die Hilfe für Mädchen und Jungen wie Philipp und
Jana gebracht. Der pädagogische Umgang mit Mädchen und Jungen
aus herausfordernden Lebensumständen erfordert ein Grundwissen
über die Dynamik der unterschiedlichen Traumata (Kap. 1) und
die Kenntnis der Wirkfaktoren (Kap. 2). Für den Gegenstand des
Buches, die Möglichkeiten der Pädagogik, sind vor allem die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen auf das Selbstkonzept, das
Bindungsverhalten und die verschiedenen Erinnerungsebenen von
Bedeutung (Kap. 3). Die Existenz traumatischer Erfahrungen wurde
nicht immer akzeptiert. Wir wissen von vehementen Auseinandersetzungen über die Ätiologie des Traumas seit der Beschäftigung der