2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/015.md

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Gewalt in der Kindheit beschreiben. Deren Lebensgeschichten verdeutlichen wie unter einem Brennglas die Bedeutung der traumapädagogischen Unterstützung in Kindheit und Jugend. In diesen
Verläufen scheint auf, was passiert, wenn die Gewalt verleugnet
und vertuscht wird, welche Belastungen nicht hätten eskalieren oder
chronifizieren müssen, hätte jemand den Kindern zugehört, Verantwortung übernommen und empathisch reagiert. Ein Beispiel
ist der „Teufelskreis“ der Selbstentwertung, wenn (sexuelle) Gewalt den Selbstwert unterminiert hat. „Die Mädchen und Jungen
überdecken ihr unerträgliches Gefühl, schlecht zu sein, mit großen
Anpassungsleistungen. Sie wollen brav sein, nicht auffallen oder
besonders gut sein. Wenn sie dann für besondere Leistungen, das
Brav-sein, gelobt werden, fühlen sie sich schlecht, weil sie gelogen
haben, weil sie glauben, dass die Menschen nicht sehen, wie schlecht
sie wirklich sind.“ Deckungsgleiche Inhalte finden sich in Lebenserzählungen von Betroffenen, die in vertraulichen Anhörungen vor
der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem
Kindesmissbrauch1 auf ihre Jahrzehnte zurückliegende Kindheit
zurückblicken und sagen können, welche Kraft es sie gekostet hat,
dagegen anzukämpfen (Unabhängige Kommission 2019; Mehrick
2019; Kavemann et al. 2019).
Dies ist ein Buch für Fachkräfte in pädagogischen Einrichtungen.
Es bietet empirisch belegt und auf Praxis bezogen alle wichtigen
Informationen zu den entwicklungspsychologischen Auswirkungen
traumatischer Belastungen im Kindheitsalter, zu traumainformierter
Bindungspädagogik und der Pädagogik der Selbstbemächtigung.
Eine praxisrelevante Übersicht über ein Feld der Forschung und
Literatur, das in den letzten Jahren so rasant gewachsen ist, dass
es Praktiker*innen kaum erlaubt, die ständig neuen Erkenntnisse
zu erfassen. Pädagogik wird in die Verantwortung genommen und
gezeigt, wie wichtig ihr Beitrag sein kann. Es darf nicht sein, dass
diejenigen, die im Alltag mit den Mädchen und Jungen arbeiten, die
Traumafolgen an Therapie und Psychiatrie delegieren. Die Folgen
werden im Alltag sichtbar und müssen dort bearbeitet werden.
Die Brücke von den herausfordernden Lebensumständen, die zu
1
https://www.aufarbeitungskommission.de/