2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/510.md

26 lines
2.6 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

510
Forschung und Qualitätssicherung
Forschung und Qualitätssicherung
Silke Birgitta Gahleitner, Wolfgang Brandstetter, Heiner van Mil,
Marc Schmid und Martin Schröder
Traumapädagogik, so wird es an vielen Stellen in diesem Handbuch deutlich , versorgt nicht nur Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sondern auch Fachpersonen
in vielfältigen psychosozialen Arbeitsfeldern mit geeigneten Konzepten und Methoden für den herausfordernden Alltag. Sie stellt gemäß der Trias des sicheren
Orts (vgl. Basedow in diesem Handbuch) damit auch selbst eine Reihe von Anforderungen an Mitarbeitende und deren Einrichtungen. Einrichtungsprofile wie
auch qualifizierende Ausbildungen bzw. Fort- und Weiterbildungsangebote müssen dem Umstand Rechnung tragen, dass die jeweiligen Adressat*innen fortwährend vor der Aufgabe stehen, auf Basis ihrer bisher entwickelten psychischen
Struktur und ihrer aktuellen psychosozialen Situation bedeutsame Veränderungen
ihrer Lebenslage zu verarbeiten. Traumapädagogik braucht daher wie eine Reihe
weiterer psychosozialer Arbeitsfelder innerhalb dieses transdisziplinären Gefüges eine »verlässliche Selbstkontrolle und theoretisch fundierte Anleitung, die der
Komplexität des […] Handlungsfeldes gerecht wird« (Mühlum 2004, S. 123).
Häufig stoßen konzeptionelle Überlegungen daher an Grenzen der Anwendbarkeit, die zurück in die Forschung kommuniziert werden müssen. Aus der Praxis entstehen dabei in einem kontinuierlichen Kreislauf beständig neue Fragestellungen für weitere Forschung und erneute Theoriebildung. Traumapädagogische
Forschung muss daher in der Lage sein, diese Wechselbeziehung und darüber hinaus die Integration verschiedener Bezugswissenschaften für die Praxis vor Ort
fruchtbar zu machen. Der komplexe Gegenstandsbereich erfordert, das Forschungsfeld konsequent an der Schnittstelle zwischen sozialpädagogischer/sozialarbeiterischer, psychologischer, psychopathologischer und psychotherapeutischer
Forschung anzusiedeln. Dies verlangt den Einsatz unterschiedlicher Forschungsmethoden aus den jeweiligen Disziplinen sowie die verbundene, aufeinander bezogene Auswertung (translationale Forschungsansätze, Mixed-Methods-Ansätze,
Triangulation).
Die Erkenntnisse der Psychotraumatologie können hier ein wichtiges Bindeglied
zwischen den verschiedenen Forschungsansätzen der unterschiedlichen Professionen herstellen, da sie sich weder einer Profession noch einer Therapieschule verpflichtet fühlen, was es erlaubt, Gräben zwischen unterschiedlichen Haltungen
und Methoden zu überwinden bzw. gar zu verbinden. Dieses hochgesteckte Ziel
ermöglicht Chancen, verursacht jedoch auch eine große Anzahl von Problemen.