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Transgenerationale Weitergabe von Traumatisierungen
nen Begriff »psychic numbing« bezeichnet, einer Art emotionaler »Dumpfheit« oder Anästhesie). Die wiederkehrenden Erinnerungsbilder haben für die Betroffenen oft den Charakter einer unmittelbaren Wiederholung der traumatischen Situation. So kann nicht mehr zwischen Gegenwart und Vergangenheit unterschieden werden und der panikartige Erregungszustand kann fortbestehen. Dann wird der Betroffene dauerhaft von unkontrollierbarer Erregung überflutet. Als Gegensatz zur Überflutung können auch sogenannte ›frozen states‹ auftreten, d. h. dass sich die Verleugnungs-/Vermeidungsphase verfestigt und eingefrorene Erlebniszustände mit psychovegetativen und psychosomatischen Reaktionen fixiert werden (Fischer/Riedesser 2009). Mit dieser Konzeptualisierung werden die bedrohliche Situation und die eigenen Ressourcen zur Bewältigung der Bedrohung in ein Verhältnis gesetzt. Dieses relationale Konzept besitzt den Vorteil, dass es das Trauma nicht statisch als Ereignis, sondern als Prozess beschreibt. In einem Verlaufsmodell der Traumatisierung wird die traumatische Situation eingebettet in die bisherige Lebensgeschichte und die danach folgenden Lebenssituationen, in der sich entscheidet, ob und in welcher Weise sich der traumatische Prozess chronifiziert und damit weitergegeben werden kann. Im Falle einer extremen Traumatisierung, wie sie etwa durch Völkermord und Folter gegeben ist, erscheint eine Chronifizierung unvermeidlich. Das Trauma wird zum zentralen Organisator der Lebensgeschichte und formiert die Identität der Betroffenen auf unhintergehbare Weise. Der traumatische Prozess dauert lebenslang an und kann an nachfolgende Generationen weitergegeben werden.
Modi der transgenerationalen Weitergabe Die frühe Beziehung zwischen dem Kind und seiner primären Bezugsperson, zumeist die Mutter, ist der zentrale Ort für die Weitergabe von Traumatisierungen an nachfolgende Generationen, da sie die Entwicklung und Differenzierung der psychischen Struktur wesentlich beeinflusst (Rauwald 2013). Darüber hinaus werden auch andere familiäre Erfahrungen über die Interaktionen mit verschiedenen Familienmitgliedern transgenerational weitergeben. Und schließlich gibt es kollektive Erfahrungen einer politischen Gruppe oder Nation, die an die folgenden Generationen unbewusst weitervermittelt werden (Volkan 2011). Traumatisierungen im Kindesalter werden zu einem konstitutiven Bestandteil der psychischen Struktur, der das Selbst- und Fremdbild wie auch das Weltverständnis bestimmt. Da sie zum integralen Bestandteil der Entwicklung werden, entfalten sie eine ganz andere Wirkung als solche im Erwachsenenalter. Sie besitzen identitätsbildenden Charakter (Küchenhoff 1990), der eine transgenerationale Weitergabe begünstigt.