2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/430.md

29 lines
2.7 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

430
Kooperation und psychosoziale Traumaarbeit
Fragen auf. Der Artikel stellt dazu einige für die Traumaarbeit relevante Überlegungen bereit.
Chancen und Fallstricke in der
Traumaarbeit/Traumapädagogik
Mit der rasanten Entwicklung der noch relativ jungen Fachrichtung Traumapädagogik ergeben sich weitergehende Implikationen für die Tätigkeitsmerkmale der
Fachkräfte der jeweiligen beteiligten sozialen Dienste und ebenso für die Weiterentwicklung der jeweiligen zugrunde liegenden wissenschaftlichen Disziplinen.
Mit der Integration psychotraumatologischer Wissensbestände in pädagogische
Konzepte entstehen eine Reihe von Chancen, es ergeben sich aber auch Probleme.
Die Praxis des Gesundheitsbereiches ist stark von medizinischen und psychologischen Konzepten dominiert. Differenzaspekte wie materielle Verhältnisse, politische Verhältnisse, Ethnie, Geschlecht, kultureller Hintergrund, Bildung usw. finden erst langsam Eingang. In enger Zusammenarbeit zwischen beiden Bereichen
droht daher immer der Verlust von Lebensweltorientierung und damit einhergehend ein Wirkungsverlust der Maßnahmen (Santen/Seckinger 2003, S. 15; siehe
hierzu auch die Ausführungen zum pädagogisch-therapeutischen Milieu bei Gahleitner in diesem Band).
Die Folge kann eine ausgrenzende Handlungspraxis sein: Der medizinisch-psychotherapeutische Bereich nutzt die Kinder- und Jugendhilfe nur noch als »Dienstleister«, diese wiederum instrumentalisiert den medizinisch-psychiatrischen und
psychotherapeutischen Bereich zum reinen Reparaturbetrieb. »Je nach fachlicher
Orientierung sollen Verhaltensauffälligkeiten behandelt oder belastende Lebenssituationen bewältigt werden« (du Bois 2004, S. 1428; zu den Problemen der Kooperation in der Kinder- und Jugendhilfe auch Fegert/Schrapper 2004). Das lähmt
die Hilfeprozesse bei den Kindern und Jugendlichen wie jene der Fachkräfte. Hinzu
kommt, dass die verschiedenen Bedarfslagen traumatisierter Kinder nach gesundem Aufwachsen, nach angemessenen sozial-emotionalen Beziehungen, nach sozialen Unterstützungsnetzwerken und einer sozialen Unterstützungsstruktur zumeist nicht in die sich ausdifferenzierenden Angebote passen. Brüche sind
vorprogrammiert. Diese Beobachtung verdeutlicht auch die starke wechselseitige
Verwiesenheit der sozialen Dienste. Dem komplexen Versorgungsbedarf kann nur
durch die Kooperation sozialarbeiterischer, sozialpädagogischer, therapeutischer
und medizinischer Hilfen begegnet werden.
Einzig kooperative Ansätze zwischen Professionellen verschiedener sozialer
Dienste, und darüber hinausreichend Ansätze interorganisationeller Kooperation,
scheinen Lösungswege zu einem möglichst »bruchlosen« Gesamthilfeprozess
(Gahleitner/Homfeldt 2012) und damit auch aus der schwer auflösbaren Parado-