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408
» … mit einer Ansammlung von Einzelkämpfern«
Fokus und geriet dann wieder schnell aus dem Blickfeld. »[…] 2003 hat Winkler
resümierend festgestellt, dass eine für die Pädagogik relevante Forschung zur Erziehung in der Gruppe fehle« (Hartwig/Kanz/Schone 2010, S. 9). 2013 stellen Behnisch, Lotz und Maierhof in einer Übersicht über die aktuelle Publikationslandschaft fest, »[…] dass die soziale Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen in
den fachlichen Debatten nur einen geringen Stellenwert einnimmt […]« (Behnisch/Lotz/Maierhof 2013, S. 22).
Weitgehend unbeachtet blieb in den pädagogischen Überlegungen auch die Frage, welche Auswirkungen es hat, wenn einzelne oder alle Mitglieder einer Gruppe
traumatische Erfahrungen gemacht haben. Es wurde sogar abgeraten, mit soziopathischen Kindern im Gruppenkontext zu arbeiten, wie es in einer Einführung in die
Gruppenpsychotherapie mit Kindern von Ginott deutlich formuliert ist:
»Diese Kinder sind oberflächlich, selbstsüchtig, triebhaft und imstande, ausgesprochene Grausamkeiten ohne die geringsten Anzeichen von Schuldgefühl
oder Angst auszuführen. Sie […] versuchen vor allem, bei den Gruppenmitgliedern Haß zu schüren und den Therapeuten in die Verzweiflung zu treiben. […] In
der Regel müssen [diese] Kinder von der Gruppenspieltherapie ausgeschlossen
werden« (Ginnott 1979, S. 36f.).
Erst durch das Aufkommen explizit traumapädagogischer Überlegungen und
Konzepte ab dem Jahr 2002 wurden Überlegungen, die sich mit dieser Frage beschäftigen, diskutiert und vertieft.
In allen pädagogischen Handlungsfeldern sind Kinder und Jugendliche anzutreffen, die traumatische Erfahrungen machen mussten. Es ist also eine logische
Konsequenz, traumatische Erfahrungen von jungen Menschen nicht außer Acht
zu lassen, wenn wir uns mit der Wirksamkeit und den Möglichkeiten der Gruppenpädagogik beschäftigen.
Dazu findet man in der pädagogischen Fachliteratur wenige Beiträge. Sucht man
in den Literaturbeständen anderer Fachgebiete, findet man jedoch immer wieder
Anregungen, die sich auf pädagogische Handlungsfelder übertragen lassen. Veröffentlichungen aus den Bereichen der Friedens- und Konfliktforschung (Karger 2004;
Perren-Klingler 1995), der Gruppenpsychotherapie (Yalom 2007), der Psychologie
(Sader 2002), der Philosophie (Han 2005) und der Soziologie geben uns Anhaltspunkte, um Gruppenpädagogik und Trauma gleichzeitig zu denken.
»Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, ob und welche fachlichen Entwicklungen in der Gruppenpädagogik notwendig sind, um den Ansprüchen heutiger
Fremdunterbringung gerecht zu werden. Der Diskussionsbedarf ist immens«
(Hartwig/Kanz/Schone 2010, S. 23).