30 lines
3.0 KiB
Markdown
30 lines
3.0 KiB
Markdown
382
|
||
|
||
Die Pädagogik der Selbstbemächtigung – Eine traumapädagogische Methode
|
||
|
||
erfahren und die Selbstakzeptanz und seine Expertenrolle zu stärken. Die zwölfjährige Monika, die in einer Wohngruppe lebt, ist oft wie weggetreten, sie dissoziiert.
|
||
Diese Zustände empfindet sie als störend. Ihre Bezugsbetreuerin soll ihr helfen. Die
|
||
Betreuerin beginnt, eine Geschichte über das »Wegtreten« zu schreiben, Monika
|
||
hört zu, das kennt sie. Monika schreibt schließlich selbst weiter, gemeinsam entwickeln sie in der Geschichte Strategien gegen die dissoziativen Zustände, sie schreiben
|
||
eine Geschichte über die »Weiß-nix-Zeit«. Monika ist und wird immer mehr Expertin für störungswertige Dissoziation (Weiß 2014, S. 97ff.). Die Expert*innenschaft
|
||
der Kinder verpflichtet uns zu einem achtsamen Umgang mit Deutungen und der
|
||
Balance von Expert*innenschaft und Übernahme von Verantwortung für das Wohlergehen der Mädchen* und Jungen*. Dann können wir von ihnen viel über die Dynamik von Trauma und Überlebensstrategien lernen. Die Pflegeeltern von Jonas und
|
||
Michael erklären diesen die Funktionsweise des dreigliedrigen Gehirns und erzählen auch von den zersplitterten Sinneseindrücken im limbischen System. Sie verwenden drei unterschiedlich große Kreise. Jonas findet den Kreis des limbischen
|
||
Systems zu klein: »Ihr wisst gar nicht, wie viel da abgespeichert ist.« Jonas und Michael wissen Einiges über Traumata, ihre Pflegeeltern nehmen dies wahr. Immer wieder
|
||
verwirklichen sie die respektvolle, traumapädagogische Haltung: »Wir sind die Profis, die Mädchen* und Jungen* sind die Expert*innen.«
|
||
|
||
Partizipation als Methode
|
||
Transparenz und Partizipation sind unverzichtbare Korrektive der Erfahrungswelt
|
||
traumatisierter Menschen: Transparenz, weil sie die Überschaubarkeit, die Sicherheit der Mädchen* und Jungen* erhöht; Partizipation, weil sie Erfahrungen von
|
||
Ohnmacht und Willkür durch Erfahrungen von Wirkmächtigkeit überschreiben
|
||
kann. »Partizipation ist also bedeutsam für eine traumasensible Pädagogik. Das heilsame Aufbrechen von noch starren inneren Überzeugungen, dass das Leben nur
|
||
fremdbestimmt funktioniert, hilft Selbstbestimmung lernen, üben, integrieren und
|
||
daraus Selbstwirksamkeit positiv zu erfahren. Auch das Vertrauen als zentrales Element eines soweit als möglich sicheren Ortes und das Vertrauen in die Fähigkeiten
|
||
und Expertenschaft der Kinder und Jugendlichen hilft. Wer beteiligt wird, kooperiert leichter und übernimmt auch zunehmend die Verantwortung für sich selbst«
|
||
(Sauerer und Expertinnen 2018, S. 105). Doch die meisten Kinder und Jugendlichen
|
||
erleben die geringen Wahlmöglichkeiten der Unterbringung und mangelnde Transparenz als ein Machtgefälle, das nicht selten im Heimalltag seine Fortsetzung findet.
|
||
|
||
Der Umgang mit Regeln
|
||
Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe haben oft Regelkataloge, die versuchen, das Leben in der Einrichtung anhand einer Vielzahl von Regeln zu ordnen
|
||
und damit überschaubarer zu machen. Doch wie werden diese Regeln erarbeitet?
|