2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/368.md

31 lines
2.8 KiB
Markdown

368
Diese Wut, die mich immer wieder einholt
pädagogischen Konzeptes und somit als institutioneller Auftrag zu verstehen (Lang,
B. 2013). »Dieser Auftrag beinhaltet, Strukturen und Konzepte zu schaffen, die die
Fachkräfte unterstützen« (Lang, B. 2013, S. 141). Für die Versorgung der Gegenreaktion bedeutet dies, dass in der Einrichtung ein verankertes und von allen Mitarbeitenden getragenes professionelles Selbstverständnis vorhanden ist, mit dem
Wissen über die Bedeutung der im Arbeitskontext aufkommenden unangenehme
Gefühle bis hin zu den sadistischen Handlungsimpulsen und anderen tabuisierten
Themen. Innerhalb der Arbeit benötigen Pädagog*innen einen geschützten Raum,
in dem es möglich ist, Gegenreaktionen zu besprechen und unterschiedliche Sichtweisen zusammenzuführen. Neben Supervision und Fachberatung muss diesen
Raum auch die Teamsitzung bieten. Gerade in der Arbeit mit hoch dissoziativen
Kindern und Jugendlichen ist dies erforderlich und notwendig, um z. B. Spaltungen
im Team zu verhindern. In Fallbesprechungen zu den Kindern und Jugendlichen
ist die Frage nach Übertragungen und Gegenreaktionen und deren Versorgung ein
guter Platz, um als Team üben zu können und eine Routine im Umgang zu entwickeln. Der Austausch im Team darüber, was hilfreich und unterstützend im Umgang mit dem eigenen Stress ist, füllt den persönlichen »Notfallkoffer« mit Ideen
der Stressregulation. In traumapädagogischen Weiterbildungsreihen berichten die
Pädagog*innen, dass sie selbstverständlicher und routinierter die eigenen Möglichkeiten zum Stressabbau umsetzten, seit sie sich der Dynamiken bewusst geworden
sind. Der eigene Umgang mit Stress schafft ein Lernfeld für die Kinder und Jugendlichen, indem sie erleben, dass die Pädagog*innen ihren eigenen Stress versorgen
und damit mehr Handlungssicherheit und Stabilität erlangen.
Übertragungsinhalte mit den Kindern und Jugendlichen
bearbeiten
Kinder müssen verstehen, dass die bisherigen Erfahrungen die Grundlage für das
Handeln in der Gegenwart bilden können, so Weiß in der Konzeption der Pädagogik der Selbstbemächtigung (Weiß 2024; Weiß 2013). Das Wissen darüber, dass
das Vergangene nicht einfach abgeschüttelt werden kann und dies in allen Beziehungen, auch zwischen den Kindern und Jugendlichen untereinander (Bausum
2013), zum Ausdruck kommt, wird die Mädchen und Jungen erleichtern und ihnen neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Diese allgemeine Information für die
Mädchen und Jungen im Rahmen eines Kinderteams, einer Schulklasse, in Einzelkontakten kann ein erster entlastender Schritt zum Verstehen der Übertragung
sein. Entlastend, weil er verallgemeinert und die Kinder dann selbst heraussuchen
können, was für sie zum jetzigen Zeitpunkt stimmt. Dies muss jedoch bei Gegenreaktionen wie Sadismus, Ekel und sexueller Erregung genau und verantwortungsvoll überlegt sein.