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Die Gegenreaktion
Die Gegenreaktion spüren und neugierig erforschen
Die Aufmerksamkeit der Pädagog*innen liegt in der Regel bei den zu betreuenden
Kindern und Jugendlichen. Die Aufmerksamkeit für die eigene Person ist während
der Arbeit auf ein Minimum reduziert. Damit wird die eigene Person außer Acht
gelassen, eigene Grenzen, Körperempfindungen und der eigene Stress in der Arbeit
werden kaum wahrgenommen. Gerade die Wirkkraft traumatischer Übertragungen in den Gegenreaktionen zeigen, dass das sich selbst Spüren ein integraler Bestandteil der pädagogischen Arbeit ist. Das Verstehen der eigenen Reaktionsweisen
und die Neugier auf die eigenen Sinneswahrnehmungen, Körperempfindungen,
Gefühle, Handlungsimpulse, und Gedanken besonders in konflikthaften oder festgefahrenen Situationen sind Voraussetzungen, um sich nicht in Gegenreaktionsspiralen verwickeln zu lassen. Die Gegenreaktion ist neben den Übertragungsinhalten
der Kinder auch mit eigenen Anteilen und anderen Einflüssen des Alltags gefüllt. In
der Reflexion müssen alle Anteile Beachtung finden.
BEISPIEL
Mittags in der Hausaufgabenbetreuung mit Silvia spürt die Pädagog*in eine unendliche
Müdigkeit in sich, selbst einfachste Aufgaben bäumen sich zu unendlich scheinenden
Bergen auf, die kaum zu bewältigen sind. Je länger sich die Hausaufgaben hinziehen,
desto ungeduldiger und wütender wird die Pädagog*in. In ihrem Körper macht sich eine
Unruhe breit. Sie hat das Gefühl, als würde sich immer mehr Energie aufstauen, am
liebsten würde sie aufstehen, sich bewegen oder einfach nur rumbrüllen. Gleichzeitig
sitzt sie starr ob der Anforderung auf dem Stuhl und weiß nicht mehr, wie sie Silvia helfen soll.
Die Gegenreaktion versorgen (lernen)
Die Fähigkeit von Pädagog*innen mit der gesamten Aufmerksamkeit bei den Kindern und Jugendlichen sein zu können, kann unter Umständen dazu dienen, die
in der traumatischen Übertragung enthaltenen Inhalte (Körperempfindungen,
Gefühle usw.) nicht spüren zu müssen. Damit ist das Spüren des Stresses und unangenehmer Gefühle abgeschaltet, jedoch nicht versorgt. Meist macht sich dieser
an anderen Stellen bemerkbar, beispielsweise in erlebter Unruhe/Übererregung,
Unlust zu arbeiten, Hass auf bestimmte Kinder und Impulse, diesen gegenüber mit
zunehmender Strenge zu handeln und Strafen anzuordnen. Manchmal geht das so
weit, dass das gesamte gesundheitliche Wohlbefinden dadurch beschädigt wird.
Mit einer Wut im Bauch, mit einer immerwährenden gefühlten Erschöpfung ist
es nahezu unmöglich, korrigierende Beziehungsangebote aufrechtzuerhalten. Die
Versorgung der Gegenreaktion ermöglicht die Stabilisierung der eigenen Person
und schafft darüber hinaus die Möglichkeit, weiter handlungsfähig zu bleiben. Die
Stabilisierung der pädagogischen Fachkraft ist in diesem Verständnis ein Teil des
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