2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/358.md

40 lines
2.3 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains invisible Unicode characters

This file contains invisible Unicode characters that are indistinguishable to humans but may be processed differently by a computer. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

358
Bindung und Trauma
4.Korrigierende Beziehungsgestaltung
• Wie kann ich mich emotional versorgen und stabilisieren, welche Unterstützung brauche
ich hierzu?
• Welches (Beziehungs-)Bedürfnis vermute ich bei dem Kind/bei dem Jugendlichen hinter
den gezeigten Verhaltensweisen? Gabriela verhält sich so, weil … ?
• Ich überprüfe mit dem Kind/Jugendlichen gemeinsam meine Arbeitshypothese und
entwickle ein gemeinsames Verstehensmodell für das gezeigte Verhalten. Du verhältst dich
so, weil …?
• Wie kann ich die Bedürfnisse der Jugendlichen versorgen?
• Wie kann die Jugendliche lernen, sich selbst (mit) zu versorgen?
Tab. 1: Prozess der Beziehungsgestaltung
Co-Regulation und Selbst-Regulation
Bindungstraumatisierte Kinder und Jugendliche brauchen Bezugspersonen, die
durch eine Co-Regulation neue Erfahrungen ermöglichen und eine Förderung
und Entwicklung der Selbstregulation anregen.
»Wir lernen […] die Regulierung unserer Gefühle, den Umgang mit dem Körper und seinen Bedürfnissen, indem jemand anders uns versorgt, unsere Gefühle
ernst nimmt, uns zeigt, was man mit den Bedürfnissen anfängt« (Hantke/Görges
2012, S. 43). Die Regulierung von intensiven Körperempfindungen, Schmerzen
oder das Fehlen von Kontakt der Haut ist auf die Hilfe und den Ausgleich von
außen angewiesen (Hantke/Görges 2012).
Geduld, Vorhersagbarkeit und Kontinuität
Bindungstraumatisierte Kinder und Jugendliche benötigen Pädagog*innen mit
Geduld und Kraft, die ihnen Zeit geben, sich zu entwickeln. Die psychologische
und die neurobiologische Entwicklung brauchen viele Wiederholungen, um die
neuronalen Verbindungen zwischen denen für menschlichen Kontakt und denen
für Sicherheit, Vorhersagbarkeit und Wohlbefinden (vgl. Perry/Szalavitz 2006,
S. 121) stabiler zu machen.
Um neue Lernerfahrungen von Sicherheit und Selbstregulation zu verstärken,
zeigen sich Pädagog*innen mit Verhaltensweisen, die vorhersagbar und von Kontinuität geprägt sind.
Feinfühliges Interaktionsverhalten und dialogische Sprache
Mary Ainsworth beschreibt Feinfühligkeit als Fähigkeit und Bereitwilligkeit der Betreuungsperson, die Signale des Kindes zu sehen, sie richtig zu interpretieren, und
angemessen und prompt darauf zu reagieren (Ainsworth 1977/2011). Für eine päda­
gogische bindungsorientierte Arbeit kann das folgende Möglichkeiten beinhalten: