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Individuelle Beziehungsgestaltung
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BEISPIEL
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Charlotte, ein elfjähriges Mädchen, fängt in den letzten Wochen am Ende der Hausaufgabenzeit an, die Fachkraft zu ärgern und zu beleidigen. Immer wieder entwickeln sich
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daraus Auseinandersetzungen zwischen beiden, ohne dass sich etwas daran verändert.
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Die Fachkraft beginnt, mit Charlotte zu überlegen, wie sich verschiedene Tiere verhalten, zum Beispiel, wenn sie Angst haben. Charlotte ist fasziniert davon und erkennt
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auch allmählich, dass Verhalten, Gefühle und Bedürfnisse zusammenhängen. Über ihre
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Erkenntnisse im Tierreich kann Charlotte anfangen zu überlegen, welche Gefühle und
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(Beziehungs-)Bedürfnisse sie selbst am Ende der Hausaufgabenzeit hat. Sie findet heraus, dass es sehr schwierig für sie ist, wenn sich die Fachkraft direkt mit Beendigung der
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Hausaufgaben abrupt anderen Kindern oder Aufgaben zuwendet. In ihrem Verhalten
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liegt somit Ärger und auch das Bedürfnis nicht so schnell verlassen zu werden. Die Fachkraft greift dieses Erleben auf: »Ich kann mir vorstellen, das fühlt sich an, wie wenn Mama morgens nach dem Wecken von dir ganz schnell das Haus verlassen muss, damit sie
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rechtzeitig zur Arbeit kommt.« Charlotte und die Fachkraft sprechen ein Ritual ab, das
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hilft, das Ende als Übergang sanfter zu gestalten.
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Gemeinsam entwickelte Rituale geben der Beziehung und dem gemeinsamen Alltag Struktur und Sicherheit. Es ist eine stabilisierende Erfahrung, werden diese
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Rituale, z. B. bei der Begrüßung oder Verabschiedung, unabhängig vom gezeigten
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Verhalten beibehalten. Haim Omer spricht hier von Gesten der Liebe, der Wertschätzung und der Überraschung. Sie beinhalten Äußerungen und Handlungen
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der Wertschätzung und des Respektes, unabhängig vom gezeigten Verhalten der
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Klient*innen (Omer/Schlippe 2004).
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Die Beziehungsgestaltung mit unsicher gebundenen Kindern und Jugendlichen
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braucht ein hohes Maß an Individualisierung. Eine vertrauensvolle, exklusive Beziehung (Weiß 2013) ermöglicht es den Kindern, sich als etwas Besonderes zu erleben.
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Eine Individualisierung der Beziehungsgestaltung ist immer ein Prozess des
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Sich-neu-darauf-Einlassens. Gleichzeitig kann eine Arbeitsstruktur eine Orientierung für den Prozess der Beziehungsgestaltung geben.
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1.Bindungs- und Beziehungserfahrungen erkunden
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• Welche Bindungs- und Beziehungserfahrungen hat das KInd bzw. der/die Jugendliche
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bisher gemacht?
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• Welches Bindungsmuster hat das Kind möglicherweise entwickelt?
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2.Beziehungserwartungen
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• Welche Erwartung hat das Kind/derJugendliche aufgrund seiner bisherigen Bindungs
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erfahrungen möglicherweise an die aktuelle Beziehung?
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• Wird der/die Jugendliche mich meiden oder verstricken, wird er oder sie Angst haben vor mir?
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3.Beziehungsdynamik
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• Welches Beziehungsmuster entwickelt sich zwischen dem Kind und mir?
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• Was sind besonders bindungsrelevante Situationen?
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• Was löst das bei mir/im Team an Gedanken, Gefühlen und Empfindungen aus?
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• Welche Gegenreaktionen bei mir/im Team sind erkennbar?
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