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Traumapädagogisch diagnostisches Verstehen
Welt, an zwischenmenschliche Beziehungen und auch an sich selbst (traumatische
Erwartung). Lebensweltorientierte Diagnostik erfasst diese nicht gelingende, teilweise jedoch trotz allem gelingende »Passung« zwischen Subjekt und Außenwelt.
Dafür sind sozial- und lebensweltorientierte diagnostische Instrumente eine zentrale Hilfe. Auf der Grundlage einer bewusst methodisch offen gestalteten professionellen Anamnese- und Diagnosehaltung können in der Lebensweltdiagnostik
soziale, psychische und körperliche Phänomene unter Einbeziehung soziologischer Parameter zusammengedacht werden. Das Ausmaß der Beeinträchtigung
lässt sich gut auf der Ebene der »Person-in-der-Situation« mit den »fünf Säulen
der Identität« aus dem Konzept der Integrativen Therapie und Beratung erheben
(Petzold et al. 2000). Das soziale Umfeld und seine Bedeutung für die traumatisierten Kinder und Jugendlichen können zudem neben dem hinreichend bekannten Genogramm mithilfe des sozialen oder soziokontextuellen Atoms (Märtens
1997) diagnostisch erfasst werden. Das soziale Netzwerkinventar lässt sich zu einer Ecomap (Cournoyer 1996; ausführliche Beschreibung des Vorgehens bei Pauls 2011; weitere Verfahren der Lebensweltdiagnostik in den Herausgeberbänden
Pantuček/Röh 2009 sowie Heiner 2004) ausweiten.
Als besonders hilfreich erweisen sich viele dieser Diagnostikmethoden im
Traumabereich, wenn man sie je nach Alter und kognitivem Verständnis in einem
Prozess immer wieder einsetzt. Zumeist erschließt sich dann nach mehrmaliger
Anwendung eine sehr ressourcenorientierte Perspektive. Auf diese Weise wird es
möglich, traumatisierte Kinder und Jugendliche diagnostisch zu verstehen. Eine
traumasensible, soziale Diagnostik bietet die Möglichkeit, eine Fülle an komplexen Zusammenhängen über eine Person und ihr Umfeld zu erfahren. Im Sinne
einer hilfreichen Interventionsplanung muss bei aller Komplexität das Verfahren
jedoch auf eine Strukturierung der gesammelten Informationen hinauslaufen,
welches die Dimensionen »Individuum soziale Umwelt« sowie die Dimensionen
»Defizite Ressourcen« möglichst umfassend, aber auch prägnant ausweist. Eine
besonders hilfreiche strukturierende Form der Darstellung vorhandener Ressourcen sowie Defizite sind die von Pauls (2011) vorgeschlagenen »Koordinaten psycho-sozialer Diagnostik und Intervention« (Abb. 3).
Das partizipative Verfahren forciert eine systematische Problem- und Ressourcenanalyse, die auf unterschiedliche, in den vorherigen Abschnitten dargestellte diagnostische Informationen aus allen drei erfolgten Schritten zurückgreift. Dadurch
wird es zu mehr als einem weiteren Instrument, nämlich zum strukturierenden
und ordnenden Orientierungsmodell für die anstehende Hilfeplanung, indem es
sozusagen ein »diagnostisches Substrat« aus den bisher gewonnenen Informationen bereitstellt. Aus diesem Diagramm lässt sich mühelos die Interventionsplanung für Hilfekonferenzen ableiten. Aus den einzelnen Punkten kann eine Reihe
von Interventionsimpulsen erarbeitet werden, die jeweils Ressourcen stärken und