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Kinder- und Jugendpsychiatrie: ein möglichst sicherer Ort durch traumapädagogische Haltungen

Psychotherapeutisch traumasensible Ansätze Ein umfassender diagnostischer Prozess zur Erfassung und Diagnostik von Traumafolgestörungen dient einer spezifischen Therapieplanung. Dabei wird der Fokus zunächst auf Beziehung und Vertrauen und folglich auf Belastungssituationen, dysfunktionale und gelingende Bewältigungsversuche gelegt (Koch/Kahmen 2023). Anwendung finden neben dem Beziehungsaufbau Instrumente für Traumaanamnese, Fragebögen zur Erfassung von traumatischen Erlebnissen nach Vernachlässigung und Misshandlung. Eine Therapieplanung mit individuumzentrierten und systemischen Behandlungsinterventionen, wie sie z. B. die »Trauma Systems Therapy« (Brown et al. 2017; Landolt 2021 Kahmen et al. 2023) vorschlägt, ist unabdingbar um die Behandlungsinterventionen in Abhängigkeit der Sicherheit des sozialen Umfeldes und des Schweregrad der kindlichen Emotions- und Verhaltensdysregulation abzustimmen. Ziel einer traumaspezifischen Behandlung ist eine möglichst gute Passung zwischen dem individuellen jungen Menschen und seinem sozialen Umfeld zu etablieren, um so eine Reduktion bzw. vielmehr eine Remission der komplexen Symptomatik der Traumafolgestörung zu erlangen. Individuumzentrierte Behandlungsansätze, welche den jungen Menschen in seiner Emotions- und Verhaltensregulation unterstützen, werden mit systemischen Interventionen im familiären und weiteren sozialen Umfeld, welche die Sicherheit und eine angemessene Förderung des Kindes in seiner Entwicklung gewährleisten, kombiniert.

Milieutherapie Die Milieutherapie stellt die Basis der traumapädagogischen Arbeit dar und umfasst in der KJP insbesondere die Arbeit der Sozialpädagog*innen und Pflegefachpersonen. Im Rahmen der Beziehungsarbeit sowie der Alltags- und Lebensweltorientierung werden Zusammenhänge geschaffen, welche sich durch wiederkehrende Konstruktions- und Interaktionsprozesse der daran Beteiligten neu herstellen (Gahleitner 2014). Im Vordergrund steht eine fachkompetente Wahrnehmung der jungen Menschen unter »Einbeziehung eines professionellen Verständnisses von Störungsbildern, Krisenanfälligkeiten [und] Dynamiken« (Arbeitskreis der Therapeutischen Jugendwohngruppen Berlin 2005), was eine differenzierte Beobachtung des individuellen emotionalen Stresserlebens fördert. Mitarbeitende der Milieutherapie können sämtliche Beobachtungen zu dysfunk­ tionalen Verhaltens- und Bewältigungsmustern, Interaktionen, Gegenübertragungsgefühlen etc. einfließen lassen und sind somit wichtige Informationsträger für die umfassende Diagnostik, das milieutherapeutische Setting und die Therapiegestaltung (Koch/Kahmen 2023). Ein Austausch erfolgt im Rahmen der festgelegten transdisziplinären Bezugsteams unter der Anleitung und Supervision der transdisziplinären Abteilungsleitungen sowie in regelmässigen Besprechungen des