2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/310.md

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310
Behindert uns nicht!
Gleichbehandlung gegenüber Menschen, die keine Lernschwierigkeiten haben«
(http://www.people1.de).
Beide Netzwerke sind in Deutschland in den 2000er-Jahren entstanden. Innerhalb
der letzten 20 Jahre ist zu beobachten, dass sich Menschen mit Behinderungen
sich zunehmend vernetzen. Insbesondere die technische Entwicklung und das Internet bieten für Menschen, die in der Teilhabe eingeschränkt sind, vielfältige
Möglichkeiten, schneller und unkomplizierter in den Austausch zu gehen, sich als
Gemeinschaft mit gleichen Interessen zu finden und gemeinsam dafür einzustehen, Forderung an Politik und Gesellschaft zu formulieren, wodurch sie zunehmend eine Lobby erhalten. Selbstorganisation ist die selbstwirksamste Form der
Selbstbemächtigung.
Pädagog*innen im Tätigkeitsfeld der Behindertenhilfe
Die Begleitung von Menschen mit einer Behinderung fordert von den Pädagog*innen ein hohes Maß an Feinfühligkeit und ein sich immer wieder neu Einstimmen auf Menschen mit extremen Unterschieden im Entwicklungsprofil. Die Gestaltung der Beziehungsarbeit fordert eine gute Kenntnis und Reflexion der
eigenen Beziehungsmuster, um Beziehung zur Verfügung stellen und eigene innerpsychische Spannungen, die in und durch die Beziehungsdynamik auftauchen,
regulieren zu können. Eine Arbeit, die Beziehung als Grundlage des pädagogischen Handwerkszeugs begreift, kommt dabei nicht ohne regelmäßige Supervision und Fachberatung aus, die den Raum bietet, Beziehungsfallen und angestaute
Gefühle zu versorgen, traumatische Übertragungsdynamiken zu verstehen und
Strategien der eigenen Stressregulation zu entwickeln.
Pädagog*innen, die erwachsene Menschen begleiten, die massiv in ihrer Teilhabe eingeschränkt sind, haben verschiedene Rollen durch verschiedene Aufgaben
wahrzunehmen. Sie sind pflegende Aufsichtsperson, Assistenz und dann auch
wieder erziehende Personen. In dieser Dynamik können leicht Rollenkonfusionen
entstehen, die zum Beispiel zu Bevormundung oder Unverständnis führen. Was in
welcher Situation in der Begleitung die Aufgabe und die Rolle der pädagogischen
Fachkraft ist, muss in einem Rahmen der Reflexion im Team oder unterstützt
durch Supervision analysiert werden, um Klarheit in diese Dynamiken zu bringen.
Die Arbeit mit dem Personenkreis, die massive körperliche Beeinträchtigungen
aufweisen, ist fast immer auch mit körperlicher Arbeit verbunden wie heben,
umbetten, Hilfsmittel in ein Auto laden. Eine fortlaufende vom Arbeitgeber gestellte Gesundheitsfürsorge, Rückenschulungen, arbeitserleichternde Hilfsmittel
sind zentral, um dauerhaft die Arbeit gesund verrichten zu können.
Um dies durchhalten zu können, bedarf es neben Sachwissen und der Selbstreflexion eines hohen Grads an Selbst(für)sorge (Weiß 2013a; Jegodtka in diesem