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302
Behindert uns nicht!
Behindert uns nicht!
Ansätze, Ideen und Entwicklungsaufgaben für eine
Traumapädagogik in der Behindertenhilfe
Tanja Kessler
»Das größte Manko der Gesellschaft ist,
das Anderssein nicht verstehen zu können.
Aus dem Nichtverstehen heraus etikettiert man.«
(Pablo Pineda Ferrer)
Pablo Pineda Ferrer studierte in Spanien an der Universität Pädagogik und Psychologie. Er arbeitete zunächst an einer Schule, seit 2010 hält Pineda weltweit Vorträge und ist ein preisgekrönter Schauspieler. In dem Film »Alphabet« von Regisseur Erwin Wagenhofer ist Pablo Pineda Ferrer einer der Protagonisten, er stellt
unter anderem die für ihn gültigen zwei Konzepte das der Liebe und das der
Angst vor.
Die Biografie von Paoblo Pineda klingt gewöhnlich für einen Wissenschaftler.
Die Besonderheit ist seine Diagnose, das Down Syndrom. In jedem Artikel, in jedem Interview über ihn ist schon in der Überschrift zu lesen, dass er diese Diagnose erhalten hat. »Es ist keine Krankheit! Es ist eine Kondition, ein Zustand. So
wie der eine blond ist, habe ich eben das Down-Syndrom«, so antwortet Pineda in
einem Interview in Die Presse.com dem Journalisten Steffen Arora (Arora 2010).
Seine Diagnose erhält er mit sieben Jahren, und er berichtet in dem Film darüber,
dass seine drei wichtigsten Fragen dazu waren: »Bin ich dumm? Kann ich hier auf
der Schule bleiben? Kann ich bei meinen Schulfreunden bleiben?«
Pablo Pineda Ferrer blieb die ersten sieben Jahre seines Lebens von den Auswirkungen und Begleiterscheinungen der Diagnose verschont. Möglicherweise wurde dadurch seine Entwicklung nicht durch Ängste, Befürchtungen und Unsicherheiten eingeengt. Dass ein Mensch mit der Diagnose Down Syndrom einen
universitären Abschluss erlangen kann, gleicht in der Presse einer Sensation, ist
etwas Außergewöhnliches.
Menschen mit der Diagnose einer Behinderung und auch noch einer geistigen
Behinderung sehen sich überwiegend Reaktionen aus der Umwelt gegenüber, die
sich »als eine Trias aus Ambivalenz, Abwertung und Festlegung« (Micknat 2002,
S. 21) beschreiben lassen. Kühn und Bialek sprechen von der »Lebensrealität von
[…] Menschen mit Behinderung, [die] als eine durch weitere anhaltende Diskri-