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Integration

die Ecke gemacht hat oder dass etwas passiert ist, woran wir noch gar nicht denken. Nach langen Recherchen mit der leiblichen Mutter erfahren wir, dass Jan nicht nur tagelang alleine gelassen, sondern dass sein Zimmer auch abgeschlossen wurde. Dann wusste er nicht, wo er mit seinen Ausscheidungen bleiben sollte. Nun erlebt er eine Pflegemutter, die sagt »Oh, da liegt ja ein Haufen in der Ecke. Wo soll man auch damit bleiben, wenn die Tür abgeschlossen ist? Schrecklich, wenn Eltern ein Kind einsperren.« Und dann überlegt die Pflegemutter mit dem Kind, wie der »Haufen« entsorgt werden kann. Oder wir erfahren nach langem Forschen, dass Anna von Ihrem Vater nicht sexuell misshandelt wurde, wenn sie in die Hose machte und daher unbedingt die Kontrolle über die Abgabe ihres Kotes behalten wollte. Die rätselhaften Verhaltensweisen der Kinder ermöglichen uns somit auch, etwas von der Geschichte zu erfahren. Wenn sie nun ihre Pflegemutter hundert Mal am Tag fragt, ob sie sie lieb habe und sich mit einer Liebesbekräftigung nicht beantwortet fühlt, dann will sie nicht in eine heile Welt gezogen werden. Vielmehr möchte sie sich angenommen fühlen mit ihrem Misstrauen. Vielleicht so: »Vielleicht kannst du noch gar nicht glauben, dass ich dich wirklich lieb habe. Das ist doch allzu verständlich bei allem, was du erlebt hast.« So beginnt der Vertrauensaufbau mit dem Verstehen und Erlauben von Misstrauen. Was angenommen wird, kann heilen (Janning 1996). Und schließlich kann auch Lisa verstanden werden, die allzu oft erlebte, dass kein Essen in der Wohnung war. »Oh, da liegt ja ein Butterbrot unter dem Bett. Was eine gute Idee, sich Vorräte anzulegen. Dann braucht man auch keine Angst zu haben, so schrecklich hungern zu müssen.« Dann geht es nicht darum, dem Kind zu zeigen und zu beweisen, dass doch im Haus genug Nahrung vorhanden ist und dass doch ein Verstecken von Broten nicht nötig ist. Es gilt zu würdigen, dass es nicht nur um Nahrung geht, sondern auch um die Beziehung. Sie hat noch kein ausreichendes Vertrauen, dass ihre Pflegeeltern ihr immer genug Nahrung geben. So kann es sinnvoll sein, Lisa zunächst zu erlauben und ihr zu helfen, in ihrem eigenen Zimmer Vorräte anzulegen, die nicht schlecht werden, zum Beispiel Knäckebrot. Damit sie sich sicher versorgt fühlt. So macht es Sinn, nahezu alle rätselhaften Verhaltensweisen in Beziehungen zu denken. Sie sind im Kontext verletzender Abhängigkeitsbeziehungen zu Eltern entstanden. Werden sie nun verstanden und werden Gefühle, Vorstellungen und Grundüberzeugungen mit den damit verbundenen Erwartungen in neuen Eltern-Kind-Beziehungen angenommen, können Verletzungen heilen. Gelingt dies nicht, bleibt das Kind oft in einer kaum erträglichen Symptomatik verhaftet, was nicht selten zu einem Abbruch der Beziehung führt. »Bei der Erinnerungsarbeit« ist es, so schreiben Nienstedt und Westermann, »wichtig, das Kind nicht in die Erinnerung hineinzuzwingen« (Nienstedt/Westermann 2007, S. 121), etwa »Ach Lisa, du hast wohl Hunger, weil deine Mutter dich nicht gut versorgt hat.« Oft sind diese Erinnerungen noch verdrängt und verleugnet. Allgemeine Formulieren wie die Rede von »einer« Mutter oder von »Eltern«

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