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Pflegekindschaft: Chancen für traumatisierte Kinder in neuen Eltern-Kind-Beziehungen
Zur Arbeit mit Herkunftseltern
Welchen Auftrag würden Jan, Anna und Lisa den Helfer*innen in einer kindeswohlorientierten Arbeit mit ihren leiblichen Eltern geben? Was benötigen sie nun
von ihren leiblichen Eltern, wenn es um die Integration in eine Pflegefamilie geht?
Wenn sich ein*e Berater*in in die Bedürfnisse eines Kindes einfühlt, könnte es bei
Misshandlung wie bei Jan und Anna darum gehen, sie vor den gewalttätigen, ausbeutenden und entwertenden leiblichen Eltern und deren Ansprüchen zu schützen. Oder bei Rollenumkehr, Partnerersatz oder Verantwortung für die Geschwister wie bei Lisa darum, ihr zu versichern, dass sich nun andere um ihre Eltern und
Geschwister kümmern, damit Lisa es nicht tun und sich nicht verantwortlich fühlen muss.
Vorteile einer Klärung während der Zeit in einer Heimgruppe bestehen darin,
dass leibliche Eltern nicht in Konkurrenz zu Pflegeeltern treten, während es oftmals gut gelingt, dass sie mit den Fachkräften des Kinderheims kooperieren. Die
Geschichte des Kindes, der Herausnahmegrund, die Verhaltensweisen des Kindes
und die umfangreichen Ergebnisse der diagnostischen Untersuchungen zeigen eine Realität, die nicht verleugnet werden kann. Fachkräfte sind auf diese Elternarbeit spezialisiert, nehmen sich die notwendige Zeit und können sich an geeigneten
Konzepten orientieren.
In einer kindeswohlorientierten klärenden Arbeit mit den leiblichen Eltern, die
auch nach § 37 SGB VIII zu Recht Anspruch auf Beratung und Unterstützung haben, gelingt es bei einer klaren und einfühlsamen Haltung öfter als manche erwarten, die Perspektive eines Kindes gemeinsam zu klären. Wenn Helfer*innen Person und Tat trennen können, Respekt und Interesse an den Eltern zeigen, die
Realität des Kindes anerkennen, seine Lage im Blick behalten und wissen, dass es
auch Eltern gibt, die sich nicht in ein Kind einfühlen können, dann gelingen viele
Schritte einer hilfreichen Elternarbeit. Einige Eltern ziehen sich aber auch ganz
zurück, andere wollen mehr um ihre Rechte als um ihr Kind kämpfen.
Einer Anfangsvereinbarung, dass es um das Wohl des Kindes geht, können viele Eltern zustimmen. Darüber hinaus sollte es auch darum gehen, dass es den Eltern gut geht, auch ohne ihr Kind. In Gesprächen über die Lage des Kindes und die
Gründe, warum es nicht geklappt hat, können Eltern manchmal schon schrittweise verstehen, dass sie ihr Kind nicht erziehen können. Ein Interesse an der Geschichte der Eltern und eine Einfühlung in deren inneres Kind und auch, was es
gebraucht hätte, ermöglicht oft eine Sensibilisierung für kindliche Bedürfnisse ohne Schuldgefühle. Wut, Verleugnung und Gefühle von Hilflosigkeit gehören zum
Trauerprozess dazu und sollten angenommen werden. Über Pflegevermittlung
und auch darüber, dass sie nicht in der Rolle als psychologische Eltern bleiben,
sollten sie aufgeklärt werden, ohne Versprechungen zu machen, die dem Kind
schaden. Schließlich sollten die Eltern unterstützt werden, ihre berechtigten eige-