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Raw Blame History

Traumapädagogische Interventionen

Die Etablierung eines (1) sicheren Orts, an dem Retraumatisierungen vermieden werden und an dem es zu einer Stabilisierung des Kindes oder Jugendlichen kommt, kann nur durch ein aktives von außen bereitgestelltes Beziehungs- und Sicherheitsangebot ermöglicht werden. Gerade bei komplex traumatisierten Kindern und Jugendlichen ist ein hohes Maß an Zeit- und Energieaufwand notwendig, um verlässliche und tragfähige Beziehungen nach viel angesammeltem Misstrauen für sie annehmbar zu machen. Es bedarf zahlreicher »schützender Inselerfahrungen« (Gahleitner/Golatka 2016), um das Misstrauen aufgrund von negativen Beziehungserfahrungen in der Vergangenheit überwinden zu können. In der traumatischen Ursprungssituation wurden die vorhandenen Bindungsangebote nicht als schützend, regulierend oder beruhigend erlebt im Gegenteil waren diese oft Auslöser des traumatischen Stresses (Scherwath 2013). Das (2) Angebot von hoffnungsvollen Bindungen kann bei erfolgreicher Interaktion zu einem grundlegenden Prinzip der emotionalen, sozialen und kognitiven Entwicklung werden: Es entstehen zunehmend Chancen zu bedeutsamen »Mentalisierungsprozessen« (Fonagy et al. 2002/2022), durch die es möglich wird, das eigene Verhalten bzw. das Verhalten anderer Personen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren und nicht wie bisher auf dem Boden traumatischer Erfahrungen zu missinterpretieren (siehe auch Gahleitner in diesem Band). Mit ressourcenorientierten Stressbewältigungstechniken kann es zu einer (3) Verbesserung der Emotionsregulierung kommen, z. B. wenn Techniken des Angstabbaus und der Selbstkontrolle erprobt werden. Diese können von konkreten Übungen im Alltag (wie Emotionsprotokolle, Gefühle erkennen und benennen), kreativtherapeutischen, künstlerischen und/oder sportlichen Aktivitäten bis hin zu der Zusammenstellung eines Notfallkoffers reichen. Der erfolgreiche Umgang mit bedrohlichen und überflutenden Gefühlen soll in der Folge zu innerer Sicherheit und Stabilisierung führen. Diese Aspekte sind notwendig, um das eigene Regulationsvermögen wieder aufzubauen, zielgerichtetes Handeln im Alltag zu ermöglichen und sich auf weitergehende Betreuungsprozesse einzulassen (Gahleitner 2021; Lang/Wiesinger/Schmid 2009). Eng verbunden mit der Erlangung des Kontrollvermögens ist die (4a) Überwindung der Selbstunwirksamkeitserwartung durch Partizipation. Da chronisch traumatisierte Kinder und Jugendliche im Laufe ihres Lebens oft mit absolutem Kontrollverlust und Selbstunwirksamkeit in zwischenmenschlichen Interaktionen konfrontiert waren, ist bei vielen ein andauerndes Gefühl der Ohnmacht entstanden. Der Glaube, dass sie mit ihrem Verhalten andere Personen nur wenig beeinflussen können, hat sich in so hohem Ausmaß manifestiert, dass sie in Beziehungen oftmals eine passive Position einnehmen und Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen bzw. zu äußern. Es erfolgt eine Konzentration auf das Überleben im Hier und Jetzt längerfristige Lebens- oder Verhaltensziele finden kaum Platz, was wiederum zu einer Einschränkung der Entwicklung eines adäquaten Selbstbildes führt. Eine dem jewei-

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