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232
Da hilft nur Geduld und Spucke
den Einrichtungen gelebte »Gleichaltrigenkultur« sei umso wichtiger, da im Gegensatz zu früher dauerhafte Peergroups im familialen Umfeld kaum entstehen
können.
Aus den Kindertagesstätten hinaus haben sich viele Familienzentren entwickelt,
auch als eine Antwort auf die Veränderung gesellschaftlicher Strukturen. Ein Familienzentrum übernimmt Aufgaben sozialer Netzwerke bzw. ist Teil dieser Netzwerke. Über die partnerschaftliche Elternarbeit (die hier aus Platzgründen auch
nicht vertieft werden kann) hinaus verstehe ich das Familienzentrum als sozialen
Ort, an dem die Menschen andere, auch aus anderen Kulturkreisen kommende
Menschen kennenlernen, z. B. durch ein gemeinsames Fastenbrechen in den Räumen der Kita. Eltern- und Informationsabende bieten die Möglichkeit, sich Wissen über Themen wie Pubertät, sexualisierte Gewalt, Übergang in die Schule aneignen und sich austauschen zu können. Familienzentren bieten Hilfen an für die
zu leistenden Anforderungen wie Schuldnerberatung, Umgang mit Scheidungen,
Trauerbegleitung, Kontakte zu Behörden, aber auch Flohmärkte und andere gesellige Situationen.
Traumatisierte Mädchen und Jungen
in Kindertagesstätten
Ihre Belastungen
»Weil ich doch auch nicht den Krebs kriegen wollte« Tod einer nahen
Bezugsperson
Mikels1 Mutter starb, als er drei Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt war er ein sehr sicher
gebundenes Kind. Die Mutter starb sehr schnell, mit Vater und Mikel hatten wir so gut
es ging mitgetrauert, die Beerdigung und das Leben danach vorbereitet. Mit der Mutter hatten wir die letzten Stunden Kontakt und sie gebeten, doch auch von ihrem Sohn
Abschied zu nehmen. Doch in der Nacht vor dem Abschied starb sie. Sie wurde in einer
Urne beerdigt. Mikel glaubte nicht, dass seine Mutter in die Urne passte. Bei der Beerdigung wollte er alle nach Hause schicken mit der Begründung: »Dieses Ding grab ich alleine ein.«
Mikel ging ab sofort nicht mehr alleine auf Toilette. Immer musste ich die Türe aufhalten: »Gell, Du machst das nicht? So einfach verschwinden?« »Solange ich kann, Mikel,
werde ich da sein«, sagte ich. Zehn Jahre später erklärte er seine Verweigerung, auf die
Toilette zu gehen: »Ich wollte nicht auch einen Krebs kriegen.« Wir hatten in all den Gesprächen nicht gewusst, dass es wichtig ist, zu erklären, was der Krebs ist. In der Kanalisation, wo sonst, hatte Mikel dieses Tier verortet.
1
Die Kinder sind reale Kinder, die Namen verändert.