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Reflektiert die gegenwärtige Traumapädagogik die Strukturkategorie Gender?
2003), diesbezüglich wird auch von einer »destruktiven Geschlechtsextremisierung« (Gahleitner 2013, S. 397) gesprochen. Praktikerinnen wie auch Forscherinnen zufolge äußert sich dieses Phänomen zumeist folgendermaßen: Weibliche Jugendliche sind öfters von depressiven Episoden betroffen und haben ein größeres Risiko für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung nach erlebter Traumatisierung. Auch zeigen sie öfter autoaggressives, selbstschädigendes Verhalten, der Status als Opfer wirkt identitätsstiftend (Russel 1986). Männliche Jugendliche weisen häufiger Suchtverhalten auf und neigen eher zu aggressivem Verhalten. Der Status Opfer ist gesellschaftlich weiblich konnotiert, männliche Jugendliche sind eher gefährdet, sich mit dem Täter*innen-Status zu identifizieren (Rossilhol 2002). Insgesamt verlaufen die Verhaltensausprägungen stark entlang der Pole der weiblichen Internalisierung und der männlichen Externalisierung (Neumann/Süfke 2004). Das Verhalten scheint also eng verknüpft mit den wirkmächtigen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit, also mit der Geschlechtsidentität (Bilden 2001; Bilden 2008, S. 4). Doch sollen diese Beobachtungen nicht implizieren, dass alle Kinder und Jugendlichen sich jederzeit geschlechtstypisch verhalten. Das gesellschaftlich (vor)strukturierte Spektrum an Geschlechtsidentitäten, Rollenbildern und Verhaltensweisen unterliegt einem permanenten Wandel, es ist breiter geworden und lässt zunehmend mehr individuelle Ausgestaltung und Variationen zu. Auch in der Forschung ergeben sich immer öfter widersprüchliche Ergebnisse: So gilt das größere weibliche Risiko für die Entwicklung einer PTSD als umstritten. Einerseits existieren Belege dafür (Blain/Galovski/Robinson 2010), diese Ergebnisse werden wiederum im Bereich multipler Traumata unscharf (Hillberg/ Hamilton-Giachritsis/Dixon 2011). Auch zeigen sich die Reaktionen auf extreme Gewalterlebnisse umso ähnlicher ausgeprägt, je schwerer die Traumatisierungen sich ausgewirkt haben. Die Neigung zu autoaggressivem Verhalten oder zur Dissoziation ist dann geschlechtsunabhängig vorhanden. Der Belastungsgrad von Mädchen aufgrund sexueller Gewalterlebnisse und daraus entstandener Traumatisierungen nimmt eine relevante Stellung ein, jedoch werden deutlich mehr Mädchen Opfer von sexueller Gewalt (Finkelhor/Dziuba-Leatherman 1994), was diesen vermeintlichen Unterschied erklären könnte (Vogelsang/Engel 2001). Nicht zuletzt zeigen sich bei älteren traumatisierten Menschen fast keine Unterschiede der auftretenden Symptomatik nach Traumatisierungen hinsichtlich deren Geschlechts (Ditlevsen/Eklit 2010). Die Lage gestaltet sich also widersprüchlich. Einerseits ließe sich polemisch-naturalisierend feststellen, dass Mädchen und Jungen die biologisch dispositionellen Verhaltensweisen zeigen. Andererseits könnte man sich die Frage stellen, ob Mädchen und Jungen eben einfach die gesellschaftlich nahegelegten Verhaltensweisen zeigen (Windheuser 2013). Es tut sich demnach ein Spannungsverhältnis auf, das in seiner Bedeutung für traumapädagogische Arbeit mit Mädchen und Jungen,