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Gegenreaktionen sind spürbar
die Kinder und Jugendlichen bereits kennen und sie stärker in die Übertragung
bringen und damit die ängstigenden Erfahrungen festigen.
BEISPIEL
Die Zerrissenheit, die die Pädagog*in spürt, lässt sie weder gut im Kontakt mit Wolfgang
sein, noch gut im Kontakt mit den anderen Kindern und Jugendlichen. Die Gefahr besteht, dass sie auch den Kontakt zu sich verliert und nur noch im Stande ist, nach Plan
zu handeln. Dies kann, wenn wir das Szenario weiter ausbauen, dahin führen, dass Wolfgang erst dann wiederkommen darf, wenn er sich entschuldigt. Die schon sehr belastete
Situation verschlimmert sich und die Auflagen für Wolfgang, an ein Mittagessen zu gelangen, steigen.
Lange nicht berücksichtigte Gedanken zur Bearbeitung der Gegenübertragung wurden von Helene Deutsch schon 1926 formuliert und von Heinrich Raacker in den
1960er Jahren weiterentwickelt (Thomä/Kächele 2006 S. 85). Deutsch unterschied
zwischen einer konkordanten und einer komplementären Gegenübertragung.
Die konkordante Gegenübertragung beschreibt das deckungsgleiche Erleben
der Gefühle des Gegenübers in abgeschwächter Form. Das sind Gefühle von
Angst, Hilflosigkeit, Ohnmacht oder Verwirrung (Weiß 2013). Das Erleben der
deckungsgleichen Gefühle kann in uns die Rolle der rettenden Person hervorrufen. Das Spüren der leidvollen Gefühle der Kinder und Jugendlichen wird zum
Antrieb der pädagogischen Arbeit. Der professionelle Blick geht dabei verloren.
Die Variante der komplementären Gegenübertragung beschreibt die Ergänzung
der Gefühle des Gegenübers in die der Mutterrolle/Vaterrolle/Täter*innenrolle. In
dieser Gegenreaktionsvariante kommen häufig Machtgefühle, Überlegenheitsgefühle, Schuldgefühle, Gefühle der Hilflosigkeit und/oder der Wunsch nach Strenge zum Ausdruck.
Die Unterscheidung kann Pädagog*innen darin unterstützen, insbesondere die
schambesetzten Gefühle, Fantasien und Gedanken zu verstehen. Nicht selten geben diese vermeintlich als unprofessionell eingeordneten Gefühle Anlass, an der
eigenen Professionalität zu zweifeln. Ebenso können diese heftigen Gefühle auch
im Privaten als Belastung empfunden werden.
Paula Heinemann lenkte in ihrem Vortrag »Bemerkungen zur Gegenübertragung« von 1950 die Aufmerksamkeit auf die Gegenübertragung und leitete eine
ganzheitliche Sichtweise ein (Heinemann 1964). Diese ganzheitliche Auffassung
von Gegenübertragungskonzepten berücksichtigt die Tagesform der Pädagog*innen ebenso wie die institutionellen Bedingungen, die Arbeitsanforderungen, unter Umständen auch Einflüsse vorheriger Kontakt- oder Beziehungspersonen auf
die entstandene Situation (König 1998a, S. 16; Thomä/Kächele 2006). Ebenso ist
die Gegenreaktion von den eigenen Anteilen und den Übertragungsdispositionen
der Pädagog*innen geprägt.
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