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Äußere Eindrücke und innere Erwartungen
action«, an, um die Gesamtheit der intrapsychischen Prozesse des Therapeuten
begrifflich treffender zu fassen (König 1998a, S. 17). Der Begriff der Gegenreaktion wird im traumapädagogischen Diskurs von Wilma Weiß (2013) aufgegriffen
und weitestgehend verwendet. In der therapeutischen sowie in der pädagogischen
Diskussion wird die Gegenübertragung/Gegenreaktion nach der Entdeckung der
Übertragung ins Blickfeld gerückt.
Die Gegenreaktion ist gefüllt mit Körperreaktionen, Gefühlen, Handlungsimpulsen, Gedanken und Sinneswahrnehmungen. Manchmal sehr konkret und aus
der Situation erklärbar, manchmal sehr diffus und unkonkret. Im pädagogischen
Alltag erfahren die Fachkräfte immer wieder im Kontakt mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen, wie beispielsweise eine plötzliche Wut in ihnen aufsteigt,
sie angesteckt sind von einer unergründlichen Hilflosigkeit oder sie sich in eigenen Bildern und Gefühlen aus der eigenen Vergangenheit wiederfinden und sie in
ihrem professionellen Handeln beeinflusst sind.
BEISPIEL
Beim Mittagessen sieht die Pädagog*in, wie Wolfgang ganz unvermittelt vom Essenstisch aufspringt; seinen Nachbarn schlägt und brüllend in den Flur rennt. Im ersten Moment ist sie perplex über diesen plötzlichen Wutausbruch und kann sein Verhalten nicht
verstehen. In ihr macht sich eine Zerrissenheit breit: Soll sie erst die Kinder mit Essen
versorgen oder Wolfgang hinterhergehen? Sie schreit Wolfgang hinterher, was denn
passiert sei und schaut Richtung Flur. Gleichzeitig füllt sie die Teller der anderen Kinder
mit Essen.
Die Gegenreaktion ist sowohl eine Chance als auch eine Gefahr. Eine Gefahr, wenn
diese mit traumatischen Inhalten oder unangenehmen Gefühlen gefüllt ist und als
solche nicht wahrgenommen wird. Dann gelangt die Pädagog*in in einen Sog aus
Gefühlen, der unter Umständen nur im Arbeitszusammenhang relevant ist, aber
dauerhaft ebenso ihr Privatleben beeinflussen kann. Judith Herman spricht davon,
dass Trauma ansteckend sei (Herman 1996, S. 193).
Die Chance liegt darin, die Gegenreaktion als Reaktion auf eine Übertragung
wahrzunehmen und sich vor Verwicklungen und der Ansteckung des Traumas
schützen zu können, das heißt, eine Idee zu entwickeln, was gerade im Gegenüber
passiert, um somit auf dieser zunächst hypothetischen Annahme ein versorgendes
oder Beziehungserwartung korrigierendes Angebot zu entwickeln und anbieten
zu können.
Um sich dies im pädagogischen Alltag erarbeiten zu können, ist es notwendig
und oft auch unterstützend, die Bestandteile und Komponenten der Gegenreaktion genauer zu betrachten.
Das Handeln der Pädagog*in kann von der Gegenreaktion beeinflusst werden.
Dies kann dann zu einer Wiederholung bzw. Neuauflage der Situation führen, die