2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/171.md

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Literatur
Äußere Eindrücke und
innere Erwartungen
Theoretische Aspekte zu den Dynamiken von Übertragung
und Gegenreaktion in der traumapädagogischen Arbeit
Tanja Kessler
»Die Bilder, die wir uns von Menschen machen,
mit denen wir in der Gegenwart umgehen,
werden durch innere Bilder beeinflußt,
die aus unserer Wahrnehmung
anderer Personen entstanden sind.«
(Karl König 1998b, S. 11)
In traumapädagogischen Fortbildungen werden die Begriffe Übertragung und Gegenübertragung/Gegenreaktion von den Teilnehmenden sehr schnell mit Freud,
der Psychoanalyse und Therapie in Verbindung gebracht. Innerhalb der therapeutischen Settings gehören die Wahrnehmung und die Einordnung der Übertragungsdynamiken, insbesondere in tiefenpsychologischen und psychoanalytischen
Ausrichtungen zum vorrangigen Handwerkszeug und Arbeitsgrundlage. Auch
Mitarbeitende* von pädagogischen Einrichtungen, deren konzeptionelle Ausrichtung eine psychoanalytisch orientierte ist, arbeiten selbstverständlich mit den Erklärungsmodellen der Übertragung und Gegenübertragung in der Beziehungsdynamik und den daraus abgeleiteten Instrumenten und Methoden.
BEISPIEL
Als beim Mittagessen Wolfgang nicht als erster was zu Essen bekommt, springt er wütend auf. Schlägt seinen Nachbarn und rennt in den Flur. »Ich bekomme nie etwas von
Euch, ich muss immer warten.«
Dieses Beispiel kennen wahrscheinlich viele Pädagog*innen mehr oder weniger
gut in abgewandelter oder ähnlicher Form aus dem Arbeitsalltag. Die Aussagen
und Reaktionen der Kinder und Jugendlichen zu verstehen und immer wieder in
Ruhe und Gelassenheit reagieren zu können, sind die Herausforderungen der Arbeit. Immer wieder scheinen sich mit den gleichen Kindern, Jugendlichen und
auch Erwachsenen die Situationen wie eine Routine zu wiederholen. Sich diese
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