2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/167.md

38 lines
2.9 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

Literatur
al. 2003/2004). Traumatisierte Kinder benötigen daher Alternativ-Erfahrung,
d. h. möglichst viele »schützende Inselerfahrungen«, also Räume des Verstehens
und des Immer-wieder-neu-Anknüpfens an eine konstruktive Veränderungsmöglichkeit, die sich aus den Alltagssituationen ergibt. Dazu benötigt es nicht
nur einzelne dyadische Beziehungen, sondern umfassende Beziehungsnetzwerke bis hinein in konstruktive Vernetzungssettings unter Institutionen (Gahleitner 2011, Kapitel 5). Martin Kühn (2023, S. 34) und Birgit Lang (2023, S. 2011)
sprechen vom Begegnungsrahmen des »sicheren Ortes«, einem Konzept, das jenem der »schützenden Inselerfahrung« stark ähnelt (Weiß 2013). Stück für Stück
können in »emotional-orientierten Dialog[en]« (Kühn 2023, S. 35) in solchen
Räumen korrektive Erfahrungen gemacht und neue Fähigkeiten und Fertigkeiten
ermöglicht werden.
Auf dieser Basis, die dem Grundkonzept folgt, dass Problemlagen und Störungen immer eine biografisch-verstehende Dimension enthalten und damit über
psychosoziale Arbeitskonzepte im Alltag verstehbar und veränderbar sind, kann
auch eine Stabilisierung physiologischer und psychologischer Reaktionen (Reddemann et al. 2019) und eine Erschließung sozialer Ressourcen erfolgen. Auf diese
Weise für Kinder in jeder Altersstufe Möglichkeiten und Veränderungsräume zu
schaffen, Fertigkeiten wie Körperwahrnehmung, Selbstwirksamkeitserwartungen,
soziale Kompetenz sowie Emotions- und Sinneswahrnehmungsfähigkeiten bzw.
-regulationsfähigkeiten (Schmid 2010) zu erlernen, stellt eine große Chance für
die weitere Entwicklung dar und gehört damit zu den grundlegenden Haltungsund Interventionsbestandteilen der Traumapädagogik. Wie dieses Vorgehen im
Einzelnen im konkreten Tun auszugestalten ist, kann sehr unterschiedlich sein.
Ein sehr schön ausgearbeitetes Konzept findet sich im Beitrag von Thomas Lang
(in diesem Band).
Literatur
Ainsworth, M. D. S./Blehar, M. C./Waters, E./Wall, S. N. (2015): Patterns of attachment. A psychological study of the strange situation. Neuausgabe. New York: Erlbaum. https://mindsplain.com/
wp-content/uploads/2021/01/Ainsworth-Patterns-of-Attachment.pdf (Abruf 18.03.2024).
Alexander, F./French, T. M. (1946): Psychoanalytic therapy. Principles and application. New York:
Ronald.
Arbeitskreis der Therapeutischen Jugendwohngruppen Berlin (Hrsg.) (2009): Abschlussbericht der
Katamnesestudie therapeutischer Wohngruppen in Berlin. KATA-TWG. Berlin: allgemeine jugendberatung.
www.forschung-stationaere-jugendhilfe.de/downloads/kata-twg_bericht.pdf
(Abruf 18.03.2024).
Beck-Gernsheim, E. (1981): Für eine soziale Öffnung der Bindungsforschung. In: Familiendynamik
20, H. 2, S. 193200.
Borg-Laufs, M./Dittrich, K. (Hrsg.) (2010): Psychische Grundbedürfnisse in Kindheit und Jugend.
Perspektiven für Soziale Arbeit und Psychotherapie. Reihe: KiJu Psychologie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, Bd. 15. Tübingen: DGVT.
167