30 lines
2.6 KiB
Markdown
30 lines
2.6 KiB
Markdown
162
|
|
|
|
Bindungstheorie in ihrer Bedeutung für die Traumapädagogik
|
|
|
|
Bindungstheorie in ihrer Bedeutung
|
|
für die Traumapädagogik
|
|
Silke Birgitta Gahleitner, Carina Kamptner und Ute Ziegenhain
|
|
|
|
Indem einführenden Artikel zum »pädagogischen und therapeutischen Milieu«
|
|
wurde deutlich, dass den dortigen erfolgreichen Konzeptionen gemeinsam ist,
|
|
dass das heilsame beziehungsweise förderliche Geschehen im natürlichen Lebensalltag der Kinder und Jugendlichen stattfindet und auf förderlicher menschlicher Begegnungs- und Beziehungsaktivität beruht (siehe Gahleitner in diesem
|
|
Band). Auch in einer vor einigen Jahren abgeschlossenen Studie in stationären
|
|
Einrichtungen der Berliner Jugendhilfe (Arbeitskreis der Therapeutischen Jugendwohngruppen Berlin 2009) stellten sich dialogische Beziehungsorientierung im
|
|
partizipativ geteilten Lebensalltag sowie psychosoziale Vernetzungskompetenz als
|
|
zentrale Einflussfaktoren für »wirksame Betreuung« heraus. Als basales Qualitätsmerkmal erweist sich ein eng geknüpftes Netz aus positiven und verlässlichen Beziehungen das durch eine angemessene Sozialisationsstruktur und fundiertes
|
|
Fachwissen über die jeweiligen Problematiken hindurch gewebt wird.
|
|
Positive Bindungen bewirken ein Gefühl von »innerer Sicherheit«. Damit verbunden sind Fähigkeiten zur gelingenden Stressregulation sowie grundlegende
|
|
kognitive Steuerungsprozesse, wie z. B. Aufmerksamkeitssteuerung, Konzentrationsfähigkeit, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, Fähigkeit Entscheidungen zu
|
|
treffen, vorausschauend zu denken und Handlungen entsprechend zu planen. Sie
|
|
entwickeln sich in frühen Bindungsbeziehungen (vgl. Ziegenhain/Gloger-Tippelt
|
|
2013). Bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen, die gewöhnlich in ihren
|
|
Bindungsbeziehungen massive Misshandlung, Vernachlässigung und/oder sexuellen Missbrauch erfahren haben, sind die Fähigkeiten zur flexiblen Emotionsund Stressregulation bzw. zur flexiblen Steuerung der beschriebenen kognitiven
|
|
Prozesse gewöhnlich stark eingeschränkt bzw. geschädigt.
|
|
»Hoffnungsvolle Bindungen« (Hart 2006/2018, S. 207), wie sie etwa im Rahmen
|
|
eines traumapädagogischen Settings angeboten werden, können die Basis dafür
|
|
sein, neue positive Erfahrungen im Sinne einer »Nachsozialisation« vergangenen
|
|
traumatischen Erlebnissen gegenüberzustellen. Sie sind zudem Basis erfolgreichen
|
|
pädagogischen Handelns, wie etwa beim Erkennen bzw. im Umgang mit Grenzen.
|
|
Der gemeinsame Alltag mit der Gruppe oder Peerbeziehungen entfalten ihre Wirkung auf dem Boden dieses gesamten, aufeinander abgestimmten Betreuungsnetzwerkes (siehe zur konkreten Anwendung auch Lang in diesem Band). Dies
|