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Scham und Beschämung mit Blick auf Trauma
Raum muss hier mehr als wohlfeile Metaphorik für eine heuristische Praxeologie sein und dazu braucht Raum eine theoretische Fundierung. Mit der so­
genannten topologischen bzw. raumkritischen Wende (spatial turn), die gegen
Ende der 1980er-Jahre einen Paradigmenwechsel in den Kultur- und Sozialwissenschaften eingeläutet hat (Dünne/Günzel 2006), wird die Kategorie des Raumes in
ihrer kulturellen und zu kultivierenden Dimension aufgegriffen. Es geht dabei
immer um konkrete (mitunter auch virtuelle) Orte mitsamt ihrer jeweils vielschichtigen sozialen und historischen Bedeutungsstruktur. Raum wird hier nicht
als indifferentes physikalisches Behältnis gedacht, sondern als bedeutsame Rahmung sozialer Beziehungen, als Netzwerk, in welchem Subjekte Eingebundenheit
in etwas Gemeinsames erfahren. Auf dieser Grundlage versteht Brunner (2014) in
seiner »Politik des Traumas« Räume auch als spezifische, Gewalt ermöglichende
Orte. In einem ausschließlich klinisch-medizinischen Traumadiskurs bleibt die
Perspektive jedoch zu stark auf die (krankheitswertigen) Leidenszustände des Individuums reduziert. Eine traumapädagogische Praxis will darüber hinaus aber
gesellschaftspolitische Strukturen mitdenken und das heißt wiederum: gewaltermöglichende Räume erkennen und alternative Räume der Anerkennung des
Schmerzes gestalten.
Literatur
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Suhrkamp.
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Andreatta, P./Crepaldi, G. (2021): »Ist es Angst, sind es Selbstvorwürfe, was ist dieses Gefühl?« . Zur
Psychodynamik der Scham bei Verursachern tödlicher Unfälle. Trauma. In: Zeitschrift für
Psychotraumatologie und ihre Anwendungen 19(1), S. 5059.
Becker, D. (1992). Ohne Hass keine Versöhnung: Das Trauma der Verfolgten. Freiburg: Kore.
Benedict, R. (1946/2006): Chrysantheme und Schwert: Formen der japanischen Kultur. Frankfurt
am Main: Suhrkamp.
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Dünne, J./Günzel, S. (2006) (Hrsg.): Raumtheorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Ekman, P. (1992): Are there basic emotions? In: Psychological Review 99(3), S. 550553.
Fischer, G./Riedesser, P. (2009): Lehrbuch der Psychotraumatologie. 4. Auflage. UTB: Stuttgart.
Fonagy, P. (2006): Persönlichkeitsstörung und Gewalt ein psychoanalytisch-bindungs-theoretischer
Ansatz. In: Kernberg, O./Hartmann, H.-P. (Hrsg.): Narzissmus. Grundlagen Störungsbilder
Therapie.: Stuttgart: Schattauer, S. 486540.
Freud, S. (1930a): Das Unbehagen in der Kultur. GW XIV, S. 419505.