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Die Pädagogik der Selbstbemächtigung
Auch ein Blick auf die Auswirkungen von Traumata, z. B. von häuslicher Gewalt auf das Geschlechtsrollenbewusstsein der Mädchen* und der Jungen*, weist mit besonderer Dringlichkeit auf die Notwendigkeit hin, die Auswirkungen der Geschlechtszugehörigkeit zu reflektieren (Frank/Peine i. d. B.) und selbstschädigende und schädigende Erwartungen an Geschlechtsrollenkonzepte zu korrigieren. Selbstbemächtigung beinhaltet zwingend die Auseinandersetzung mit Geschlechterrolle, Sexualität und sexueller Gewalt (Kavemann 2016, Weiß 2024). Partizipation als Wiederaneignungsprozess korrigiert die Erfahrungen von Ohnmacht und Willkür. Der pädagogische Alltag wirkt dann als Korrektiv ihrer Erfahrungen von Willkür und Ohnmacht, wenn die Menschen wissen, was gespielt wird, wenn Entscheidungen für sie durchschaubar und nachvollziehbar sind. Wenn ihr Rat gefragt ist, ihre Meinung etwas bewirkt, ist »ein Kriterium für pädagogisch fundierte Qualität erfüllt.« (Wolf 2000, S. 5) Partizipation dient der Entwicklung von Interessenwahrnehmung und Konfliktfähigkeit. Kühn beschreibt sie als zudem »hilfreiches Instrument zur Bewältigung überflutender negativer Lebenserfahrungen« (Kühn 2013, S. 138). Partizipative Erfahrungen dienen als »Dimension der Vermittlung von politischen und sozialen wie lebensweltlichen Prozessen« (Bönisch/Schröer 2007, S. 192) und ermöglichen das Einmischen in gesellschaftliche Prozesse. Schon durch die Möglichkeiten der institutionellen Teilhabe in Heimräten, durch Beschwerdeverfahren etc. und ein traumasensibler Umgang mit Regeln können Orte entstehen, an denen die Sorge um sich und die anderen gelebt wird. Die meisten Mädchen* und Jungen* aus herausfordernden Lebensumständen kennen keine Akzeptanz der Rechte Einzelner. Der in ihrer frühen Kindheit notwendige Anpassungszwang lässt sie überhaupt nicht die Idee entwickeln, sie hätten Rechte. Umso bedeutender ist die Information über ihre Rechte und das Leben dieser Rechte als Korrektiv gegenüber dem Zustand totaler Rechtlosigkeit, von der Information über Kindeswohl, Straftatbestände über Elternpflichten nach Art. 6 GG bis hin zu ihren Kinderrechten. Das heilsame Aufbrechen von noch starren inneren Überzeugungen, dass das Leben nur fremdbestimmt funktioniert, hilft Selbstbestimmung lernen, üben, integrieren und daraus Selbstwirksamkeit positiv zu erfahren. Mit welchen Inhalten und Methoden kann es darüber hinaus gelingen, einen Beitrag gegen die Individualisierung von Nichtbewältigung und die Ausgrenzung ganzer Gesellschaftsgruppen zu leisten? In diesem Sinne agierende Projekte wie in Deutschland die careleaver (www2.careleaver.de) und Jugendliche ohne Grenzen (http://jogspace.net/) oder das Friedensschiff Mirno More (www.mirnomore.org) in Österreich, ein sozialpädagogisches Segelprojekt, das für eine stetige Initiative zum Aufbau einer übergreifenden europäischen Gesellschaft steht, bieten Möglichkeiten des Einmischens. Letztendlich ist es Ziel der Pädagogik der Selbstbemächtigung, den Mädchen* und Jungen* zu ermöglichen, sich an sozialen Verän-