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Die Pädagogik des sicheren Ortes
Ziel des Konzepts ist es, den erfahrenen Verlust von Sicherheit in der äußeren Welt und die damit einhergehende Erschütterung der Wahrnehmung des inneren Sicherheitsgefühls zu überwinden bzw. so einzugrenzen, dass Teilhabe wieder möglich werden kann. »Auf dem Weg dorthin bedarf der wieder zu erlangende ›innere sichere Ort‹ eines ›äußeren sicheren Ortes‹, d. z. B. h. verlässliche, einschätzbare und zunehmend zu bewältigende Lebensraum- und Alltagsbedingungen« (Kühn 2009/2023b, S. 35; Hervorh. i. Orig.). Kühn (ebd.) stellt daher immer die Frage, wie sicher die zur Verfügung stehenden Angebote der Hilfelandschaft sind und ob sie ihren Beitrag dazu leisten, dass verletzte Menschen wieder Vertrauen fassen können (ebd.), damit sich Selbstwahrnehmung, Selbstregulation und Selbstwirksamkeit (wieder-)entwickeln können.
Die Handlungsebene ›Kind und Pädagogische Fachkraft‹ oder ›der emotional-orientierte Dialog‹ Eine Handlungsebene (siehe Abb. 1) betrifft die traumapädagogisch geschulten Professionellen, die mit traumabetroffenen Menschen im dialogischen Austausch sind, um sensibel individuelle Schutz-, Stabilisierungs-, Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Mithilfe von partizipativen lösungs- und ressourcenorientierten Ansätzen wird versucht, eine sichere und »würdevolle[ ]« (Kühn 2023a, S. 305) Umgebung innerhalb der Institution, im persönlichen Kontakt sowie im sozialen Umfeld der Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen zu schaffen. Ein erster Schritt hin zur Wiedererlangung persönlicher Sicherheit sind der gemeinsame Verstehensprozess sowie das Anerkennen von Denk- und Verhaltensweisen, die als normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse verstanden werden (Scherwarth/Friedrich 2020, S. 128). Traumabetroffene Menschen benötigen Erklärungen für ihre Interaktionsmuster, weshalb die Psychoedukation ein wesentlicher Bestandteil traumapädagogischen Handelns ist. Ohne Erläuterung konstruieren Betroffene möglicherweise eigene Erklärungen, die destruktiv oder selbstzerstörerisch sein können und Fragestellungen nach der eigenen Schuld oder dem Gefühl, ›verrückt zu werden‹, beinhalten. Neue Erklärungen durch traumasensible Fachkräfte können daher ein erster Schritt hin zu einer Veränderung der Selbstwahrnehmung und des Selbstverstehens sein (vgl. Kühn 2011, S. 156). Um ein Heraustreten aus alten Mustern und eine Exploration neuer Wege zu ermöglichen, bedarf es eines »emotional-orientierte[n] Dialog[s]« (Kühn 2009/ 2023b, S. 35). Dessen Grundlage besteht in einer gelingenden Beziehungsgestaltung, die sich an den Erkenntnissen moderner Bindungsforschung orientiert (vgl. Gahleitner 2017, S. 137f.). Dieser Dialog folgt Regeln, die es dem Kind bzw. dem*der Jugendlichen oder Erwachsenen ermöglichen, die Sprachlosigkeit zu überwinden, um eine gemeinsame Sprache zu finden. Das Angebot zum Dialog sollte authentisch, feinfühlig, eindeutig und transparent sein. Es braucht Zeit, Raum und