2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/084.md

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Wir sind alles
• Die Sorge um die Eltern ist allgegenwärtig.
• Verdrängung als Anpassungsstrategie hilft nur oberflächlich weiter.
• Es steht ein massives Verlassensheitsgefühl nach dem Maßnameende.
• Dass z. B. manche nach Hause können, manche nicht, dass manche Geschenke
bekommen, manche nicht, fühlt sich unfair an und führt zu Wut.
• Man erlebt viele Abschiede und viele Beziehungsabbrüche.
• Man erfährt unangenehmes Mitleid.
• Man sieht sich mit vielen Vorurteilen konfrontiert.
Doch erleben wir nicht selten, dass heutige Belastungen von professionellen Helfer*innen nicht wahrgenommen werden. Unsere heutige Belastung wird häufig
auf die alte zurückgeführt, der heutige Stress nicht anerkannt. Umgekehrt werden
alte Belastungen als vergangen wahrgenommen im Sinne von »Es ist doch jetzt
vorbei«. Diese Haltung negiert die frühen Belastungen bzw. die Auswirkungen
früher traumatischer Erfahrungen auf Selbstwert, Handeln, Körper und Seele.
Beide Reaktionen führen bei uns zu einem Gefühl der Schwäche, wir fühlen uns
nicht gesehen und nehmen uns infolge der Negation des heutigen Stresses und der
Bagatellisierung der alten Erfahrungen als irgendwie falsch wahr. Wir spüren uns
als schwach, suchen den Fehler in uns.
Genauso wenig hilfreich für uns ist aber die Belastungstrance, d. h. die fortwährende Konfrontation mit den früheren Belastungen. Wir sind nicht nur das
Ergebnis unserer früheren Belastungen. Wenn unser vielleicht selbst- oder fremdschädigendes Verhalten ausschließlich auf frühe Erfahrungen zurückgeführt wird,
fühlen wir uns nicht wirkmächtig. Mitleid spüren wir, dass macht uns klein!
Über einige Folgen
Es ist nicht einfach für uns zu vertrauen. Es ist nicht einfach für mich, mir zu vertrauen. Ich lasse mich schnell verunsichern. Unser Stresslevel ist manchmal ziemlich schnell oben. Manchmal muss ich einfach innerlich wegtreten. Schwierig ist es
häufig, in die Realität zurückzukommen. Man kann sich in der Dissoziation wohlfühlen, einrichten und sicher fühlen. Es braucht ein starkes Motiv um sich nicht zu
verlieren, sich nicht in dissoziativen Schleifen einzurichten, immer wieder auch
raus kommen zu wollen.
Trauer und Wut sind so nah beieinander. Man spürt oft nur noch die zerstörerische Wut. In der Schule geschieht dies häufig. Doch dort fehlt oft die Kenntnis,
dass man wirklich nicht anders kann und Hilfe bräuchte statt Ärger. Dieser Ärger
ist dann die nächste Einladung zum »Wegbeamen«. Auch, dass man den Grund
wirklich nicht beschreiben kann, wird oft nicht geglaubt. Dies verleitet einen
manchmal zu einem ungesunden Perfektionismus, um im Außen zu glänzen und