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Psychoanalytische Pädagogik
Zur Wiederentdeckung der Psychoanalytischen
Pädagogik nach dem Zweiten Weltkrieg
Es ist sicher kein Zufall, dass sich gerade Sozialarbeiter, Pädagogen und Psychoanalytiker wie Rudolf Ekstein, Bruno Bettelheim, Hans Keilson, Ernst Federn sowie Fritz Redl lebenslang um das Verstehen und um einen professionellen Umgang mit jenen Kindern und Jugendlichen bemühten, die häufig aufgrund
traumatisierender Gewaltwiderfahrnisse in einer Welt des »Alptraums« eingeschlossen sind, »aus der sie nicht aufwachen konnten« (Staigl 2013, S. 12). Selber
waren sie mit der »Realität des staatlichen Terrors, der Konzentrationslager, des
Exils, der ermordeten Angehörigen« (Staigl 2013, S. 12) konfrontiert, sodass sie
ihre Fragen zur inneren zerstörten Welt der Kinder immer im Zusammenhang
von äußerer Realität zu beantworten suchten. Stellvertretend eine Aussage von
Ernst Federn, der wegen seines antifaschistischen Engagements von den Nazis sieben Jahre in Dachau und Buchenwald gefangen gehalten worden war:
»Ich habe so lange und so intensiv unter Gewalt gelebt […], daß ich etwas von ihr
verstehe. […] Ich weiß, wie es ist, Opfer von Gewalt zu sein, weiß aber auch, wie
man sich fühlt, wenn man selbst gewalttätig sein will. […] Auch nach so vielen
Jahren sind diese Bilder in mir noch so lebendig. Und sie haben mich gelehrt,
daß man bei genauer Introspektion Versuchungen zu häßlichem, gewalttätigem
Verhalten auch bei sich selbst finden kann. Es ist daher wichtig, sich selbst zu
kennen. Und um sich selbst zu kennen, müssen Sie lernen, Gewalttätigkeit zu
verstehen« (Federn 1999, S. 86).
Bettelheim, Ekstein und Federn repräsentieren in wohl einmaliger Weise die geschichtliche Kontinuität dieses Forschungs- und Praxisfeldes. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Psychoanalytische Pädagogik/-Sozialarbeit überhaupt während
dieser Zeit (vor allem in den USA) wenn auch teilweise medikalisierend überformt lebendig gehalten wurde (Kaufhold 1999; Kaufhold 2001). In Westdeutschland wurden die Psychoanalyse und die Psychoanalytische Pädagogik erst in den
1960-/1970er-Jahren von einer gegen den Vietnam-Krieg, gegen das Beschweigen der Hitlerdiktatur und des Holocaust rebellierenden Protestbewegung (wieder)entdeckt. Diese nutzte die Ideen für ihre Argumentation gegen eine konservative triebfeindliche Erziehungspraxis, für ihre Kritik an den gewaltförmigen
Zuständen in Kinderheimen, für die Errichtung von Kinderschutz-Zentren sowie
für eine »Erziehungsutopie«, die nicht nur in der Kinderladenbewegung ihren
Ausdruck fand.
Der Sozialarbeiter/Sozialtherapeut und spätere Psychoanalytiker Ernst Federn
(19142007), der durch die gemeinsame Zeit im Konzentrationslager mit Bruno
Bettelheim bekannt und dann befreundet war, übersiedelte nach seiner Befreiung