31 lines
2.9 KiB
Markdown
31 lines
2.9 KiB
Markdown
»Pioniere« Psychoanalytischer Pädagogik in der psychoanalytischen Bewegung
|
||
|
||
Psychoanalytischen Vereinigung verankert waren. In der Schweiz entwickelte der
|
||
Lehrer und Erziehungsberater Hans Zulliger (1893–1965) sein Prinzip der »pädagogischen Analyse« (Zulliger 1961).
|
||
1926 wurde die Zeitschrift für Psychoanalytische Pädagogik gegründet (sie
|
||
wurde 1937 aus politischen Gründen wieder eingestellt). Ebenfalls 1926 brachten
|
||
Paul Federn und Heinrich Meng das Psychoanalytische Volksbuch in zwei Bänden
|
||
heraus.
|
||
Die Kinderanalyse stellt bis heute wohl den erfolgreichsten Zweig der Psychoanalytischen Pädagogik dar. Diesen Rang hat sie in den Anfängen – neben der
|
||
Kinderanalytikerin Melanie Klein (1882–1960) – vor allem den Arbeiten von Anna Freud zu verdanken. Anna Freud trägt in ihren Überlegungen dem Sachverhalt
|
||
Rechnung, dass die Entwicklung von Kindern noch nicht abgeschlossen ist und
|
||
daher die Erinnerungsarbeit – wie sie in der klinischen Psychoanalyse mit Erwachsenen entwickelt ist – nicht den hohen Stellenwert einnehmen kann, ja sogar
|
||
schädlich sei. Stattdessen betont sie pädagogische Maßnahmen und unterstreicht
|
||
die ichstützende und ichstärkende Funktion der haltgebenden, verstehenden Erwachsenen für die Kinder. Damit hält sie konsequent an der von Sigmund Freud
|
||
vehement vertretenden Differenz zwischen »Nacherziehung« für die Neurosenbehandlung und einer erzieherischen Praxis eines noch unfertigen Subjekts fest. Das
|
||
analytische Setting ist nicht auf die Beziehungsform Erzieher*in – Kind zu übertragen.
|
||
Durch das Aufkommen des Nationalsozialismus in Europa wurden die meisten
|
||
der jüdischen und politisch aktiven Vertreter*innen der Psychoanalytischen Pädagogik in die Emigration gezwungen, was die Weiterentwicklung ihrer Theorien
|
||
und Methoden stark behinderte.
|
||
Hatte sich Anna Freud bereits vor ihrer Flucht nach London – in enger Zusammenarbeit mit Dorothy Burlingham – für ein angemessenes psychoanalytisch-pädagogisches Verständnis für kindliche Äußerungen eingesetzt, so engagierten sie
|
||
sich auch in der Emigration für die durch den deutschen Blitzkrieg heimatlos gewordenen Kinder und boten ihnen mit dem Aufbau von drei Kriegskinderheimen
|
||
eine Zuflucht. Das »Childrens Rest Center« konnte als erstes im Januar 1941 eröffnet werden (Ludwig-Körner 2022). »Aus ihren Berichten über die War Nurseries
|
||
erfahren wir, wie Kinder auf die Bombenangriffe reagierten, wie Kinder und Eltern ihre Trennungen verarbeiten und welche Rolle Ersatzfamilien zukommt.«
|
||
Viele der aktuell in zahlreichen Studien zur Adverse Childhood Experiences
|
||
(ACE) belegten Ergebnisse zu den Auswirkungen früher negativer Kindheitserfahrungen und Traumen auf die kindliche Entwicklung sind von A. Freud und D.
|
||
Burlingham bereits beschrieben worden. »Liest man Anna Freuds und Dorothy
|
||
Burlinghams Berichte über die Arbeit in den Kriegskinderheimen (A. Freud 1987),
|
||
so möchte man sie als Begründerinnen der Bindungstheorie ausrufen.« (Ludwig-Körner 2024 i.D.).
|
||
|
||
47
|