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Pädagogik ist immer auch politisch, Traumaheilung immer auch emanzipatorisch
Böhm (2012), Miller/Oelkers (2014) und Herrmann/Schlüter (2012). Die dunklen
Kapitel der Reformpädagogik zeugen, dass mangelnde Transparenz und Selbstreflexion zur Entstehung oder Fortführung von Täter-Opfer-Strukturen beitragen.
Verantwortungsvolle pädagogische Beziehungen verlangen nach ständiger Reflexion und Überprüfung bestehender Strukturen und Machtverhältnissen.
Gesellschaftsverändernde Pädagogik der 1970er-Jahre
Das Aufbegehren der 1968er gegen verkrustete Strukturen, menschenverachtende Ideologien und die Tabuisierung der nationalsozialistischen Vergangenheit veränderte die bundesdeutsche Gegenwart und führte in Folge zu einem sozialpolitischen Engagement, z. B. der Heimkampagne; für viele aber auch zu einem
sozialpädagogische Studium und es kam zu mancherlei Formen des Ausprobierens neuer Lebens- und Beziehungsformen, etwa Landkommunen, kooperativen
Kneipen und Friedenswerkstätten (Arbeitsgruppe Heimreform 2000, S. 49; München 1982). Die von bürgerlichen Studenten initiierte Heimkampagne 1969 veränderte die Kinder- und Jugendhilfe nachhaltig (Arbeitsgruppe Heimreform 2000,
S. 49). Erziehungsinstitutionen wurden als Herrschaftsinstrumente der Gesellschaft beschrieben, eine neue antiautoritäre Erziehung sollte entwickelt werden.
Die pädagogischen Diskussionen der Bildungsreform in den 1970er-Jahren
kennzeichneten eine Aufbruchsstimmung. Inhalte der Reform- und emanzipatorischen Pädagogik wurden weiterentwickelt. Ob durch Erziehung die Welt zu verändern sei nicht weniger diskutierten die Studenten pädagogischer Hochschulen. »In keiner anderen Phase der westdeutschen Geschichte herrschte eine derart
ungebrochen optimistische Sicht auf die Zukunft vor. Alles schien machbar«
(Schildt 1999, S. 38).
Emanzipatorische Pädagogik wurde als eine Antwort auf die geschichtliche
Entwicklung wiederbelebt. Eine ihrer Grundlagen war die kritische Theorie der
Frankfurter Schule (Adorno, Marx, Bloch), Psychoanalyse als kritische Theorie
des Subjekts und Marxismus als zwei Formen kritischer, damals einflussreicher
Theorie erfüllten eine grundlegende Funktion: »Verstehen und Verständigung mit
Kindern in den Mittelpunkt der Praxis der Erziehungshilfen zu rücken« (Struck
2014, S. 578).
Klaus Mollenhauer, der die kritische emanzipatorische Pädagogik maßgeblich
weiterentwickelte, sah die zentrale Frage der Pädagogik darin, wie die junge Generation durch Erziehung darin gestärkt werde, die Gesellschaft zu verbessern (Mollenhauer 1970). Auch die Behindertenpädagogen Georg Feuser und Wolfgang
Jantzen (1984) begriffen Pädagogik politisch und notwendigerweise verändernd.
Auf Grundlage der Adaption der kulturhistorischen Schule entwickelten sie gemeinsam eine materialistische Behindertenpädagogik, die dazu auffordert, Behinderung als soziales Verhältnis auszumachen und die strukturelle Gewalt aufzulösen.
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