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Die Bereitstellung von Wissen verringert das Machtgefälle
Vermittlung, bei der sich die Erzieherin/der Erzieher und das Kind in der Ganzheit ihrer Persönlichkeit begegnen sozusagen eine »Bildungsgemeinschaft, die eine charakteristische Art der Zuwendung erfordere« (Nohl 1933, zit. n. Giesecke
1997, S. 22f.).
Alexander S. Neill (1969) plädierte für die Aufrichtigkeit der Pädagog*innen
und für die Entlastung der Kinder von Schuldgefühlen. Seine grundlegende Haltung den Kindern gegenüber kann man als wichtige Impulse für die Traumapädagogik beschreiben:
• Gefühle haben Priorität vor dem Denken.
• Gefühle (auch Aggressivität) sind prinzipiell berechtigt und zu akzeptieren.
• Die Fachpersonen haben die Aufgabe, für die Übertragung dieser Gefühle zur
Verfügung zu stehen.
• Jedes Kind hat einen berechtigten Grund so zu sein, wie es ist. Seine Mängel
sind das Ergebnis einer repressiven Erziehung. Dem Kind soll die Möglichkeit
zur Selbstkorrektur verschafft werden (Neill 1969, zit. n. Giesecke 1997, S. 211).
Insbesondere von dezidiert linker Seite wurde die Demokratisierung der Erziehung gefordert. Der marxistische Philosoph Antonio Gramsci (18911937) erweiterte reformpädagogische Ansätze durch die Definition eines neuen Verhältnisses
zwischen Lehrer und Schüler als »[…] ein aktives Verhältnis wechselseitiger Beziehungen und deshalb jeder Lehrer immer auch Schüler und jeder Schüler Lehrer
ist« (Gramsci 1975, S. 1335, zit. nach Sternfeld 2009, S. 62). Auch der brasilianische Pädagoge Paolo Freire (19211997) begriff Lehrende und Lernende als Beteiligte an demselben Lern- und Bildungsprozess. Die Lehrenden dürften nicht als
ranghöher gedacht werden, weil sie über Wissen verfügen, die der Lernende noch
nicht kennt. Dieser Ansatz wechselseitigen Lernens finden wir in der Traumapä­
dagogik in dem Konzept der Profis und der Expert*innen (Weiß 2024, S. 122f.).
Die Bereitstellung von Wissen verringert
das Machtgefälle
Bereits Janusz Korczak vermittelte Kindern Anfang des 20. Jahrhunderts in seinen
speziell für Kinder konzipierten Schriften politische und gesellschaftliche Realitäten
und Zusammenhänge. Seine Überzeugung war, dass Kinder nicht dümmer als Erwachsene sind, aber ihnen die Erfahrungen fehlen (Korczak 1971, S. 170). Seine
Schrift »Die Regeln des Lebens« (Korczak 1930, zit. nach Giesecke 1997, S. 153) ist
auf eine Bemerkung eines Jungen zurückzuführen, der viel Kummer hatte, weil er
die Regeln des Lebens nicht verstand und die Erwachsenen ihm mit viel Ungeduld
begegneten und keine Zeit aufbringen wollten, ihm diese Regeln zu erklären. Emanzipatorische Pädagogik beginnt so Paolo Freire mit der Selbstaneignung von
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