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Raw Blame History

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Reformerische und emanzipatorische Pädagogik

Bedürfnis des Kindes nach Herausforderungen zum Zwecke der Entwicklung und Reifung nicht gerecht (Giesecke 1997, S. 205f.) definierte Neill, die Freiheit, zu tun, was man mag, »[...] solange die Freiheit der anderen nicht beeinträchtigt wird« (Neill 1969, S. 123). Die weitgehende Selbstregierung der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sei der Schlüssel zu einer verantwortungsvollen, am Kind orientierten Pädagogik, die er als selbstregulativ bezeichnete: »Es muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass Freiheit nichts mit Verwöhnung zu tun hat« (Neill 1969, S. 117). Ungefähr zeitgleich entwickelte Korczak demokratische Formen von Kindermitbeteiligung. In dem von ihm geleiteten Waisenhaus Dom Sierot (19121942) gab es ein Gericht, vor dem das einzelne Kind zu seinem Recht kommen konnte. Korczak vertraute auf die Selbstorganisation der Kinder als Korrektiv zur Entwürdigung und Entmündigung durch die Erwachsenen. Auch in den von der Kinderfreundebewegung durchgeführten mehrwöchigen Kinderrepubliken in den 1920er-Jahren setzen die Erwachsenen den Rahmen für die eigenverantwortliche Gestaltung des Gemeinschaftslebens durch die Kinder selbst (Giesecke 1997, S. 185ff.). Diese innere Demokratisierung der Gleichaltrigengruppen führte zu neuen Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und demokratischer Teilhabe. Die partizipative Haltung, den Kindern und Jugendlichen etwas zuzutrauen ohne sie zu überfordern, ist vom Fachverband Traumapädagogik als grundlegender Standard traumapädagogischer Praxis beschrieben (www.fachverband-traumapaedagogik.org), ein Standard mit bereits 100-jähriger Tradition, den es zu erhalten und verteidigen gilt.

Über das Verhältnis von Erziehenden und Jugendlichen Im Rahmen der zeitgleichen gesellschaftlichen Emanzipationsprozesse wurde das Verhältnis von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen neu bewertet: »Mit der Entdeckung des kindlichen und jugendlichen Subjekts einerseits und dem Selbsterziehungsanspruch der Jugendlichen anderseits (bekam) nun auch die Beziehung zwischen Erwachsenen und Jugendlichen bzw. Kindern eine neue Dimension« (Giesecke 1997, S. 79ff.), nämlich das kameradschaftliche Verhältnis, das Führung durch die Erwachsenen nicht ausschließe, aber die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen mit eigenen Ideen und eigenem Handeln fördert. Das Kernstück des Erziehungsprozesses sei die Art und Weise der menschlichen Beziehung zwischen der Pädagogin/dem Pädagogen und dem Kind, so Herman Nohl (18971960) Anfang des 20. Jahrhunderts. Nicht die gesellschaftlichen Normen, Werte und Ansprüche oder die sachlich-fachlichen Ansprüche im Rahmen des Unterrichts sind a priori erziehend und bildend für das Kind. Es bedarf vielmehr einer personalen