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Traumapädagogik: Entstehung, Inspirationen, Konzepte
dürfnisse der Mädchen* und Jungen* und damit auch die traumatisierenden Inhalte von Bindungsgestaltung in den Vordergrund.
2002 schlug sich diese Entwicklung in Büchern, Konzepten und Institutionalisierung nieder:
• Martin Kühn und Volker Vogt eröffneten das Diskussionsforum www.traumapaedagogik.de.
• Die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) bietet seit 2002
traumapädagogische Fort- und Weiterbildungen an.
• 2003 erscheint die 1. Auflage von »Philipp sucht sein Ich. Zum pädagogischen
Umgang mit Traumata in den Erziehungshilfen«.
• 2007 entsteht die erste traumapädagogische Wohngruppe Greccio.
• 2008 initiieren Martin Kühn und Wilma Weiß die Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Traumapädagogik.
Traumapädagogik ist nicht denkbar ohne die Erkenntnisse der Psychotraumatologie. Menschen wie Judith L. Herman, Bessel van der Kolk und vielen anderen gebührt das Verdienst, auf die Wunden traumatischer Erfahrungen in Leib und Seele der Menschen aufmerksam gemacht und hilfreiche Prozesse angestoßen zu
haben. Traumapädagogik ist nicht denkbar ohne Berücksichtigung der Erkenntnisse der Sozialen Arbeit, Bindungstheorie, Resilienzforschung, Gesundheitslehre
und der therapeutischen Wissenschaften. Besondere Bedeutung für die Konzeptionierung der Traumapädagogik hat neben den Erkenntnissen der Psychotraumatologie die Psychoanalyse (vgl. Dörr in diesem Band).
Traumapädagog*innen müssen das Rad nicht neu erfinden, viele pädagogische
Traditionen sind in traumapädagogischen Konzepten zu erkennen. So bezieht sich
Traumapädagogik auf Inhalte der Reformpädagogik und der emanzipatorischen
Pädagogik, weil im Zentrum ihrer Praxis und Theorie das Ziel steht, benachteiligte, auch traumatisierte Menschen auf ihrem Weg von einem Objektstatus Objekt
der Erwachsenen, Objekt der Herrschenden, Objekt der strukturellen Gewalt
zum Subjekt-Sein, zur Selbstbemächtigung zu begleiten. Die zum Teil vergessenen
Klassiker der pädagogischen Literatur wie August Aichhorn (1925/1987) und Bruno Bettelheim (1955/1985) beschreiben kindliche Verhaltensweisen, die »heute
teilweise als Symptome traumabezogener Stressreaktionen beschrieben werden
könnten. […] So manche Beschreibung überrascht in ihrer Aktualität aus heutiger
Sicht« (Kühn 2013, S 26).
Inhalte der Traumapädagogik
In den letzten zehn Jahren sind eine Anzahl traumapädagogischer Konzepte entstanden. Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Konzepte gelten als kreative