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Hochuli Freund
31.7.17 S. 118
Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
obachtungen (vgl. Schwing/Fryszer 2013:129). Bei der Bildung von Hypothesen
geht es darum, Beobachtetes in Verbindung mit unterschiedlichsten Wissensbeständen zu bringen dies also mit Erfahrungswissen anzureichern und auch
wissenschaftliche Erkenntnisse zu nutzen. Eine Hypothese ist ein wichtiges
Arbeitsinstrument und wird dann als systemisch bezeichnet »[…] wenn sie alle
Komponenten eines beobachtbaren Systems mitberücksichtigt und eine Erklärung dafür bietet, wie sie sich aufeinander beziehen« (Boscolo/Bertrando
1994:121). Fokus einer Sitzungsleitung ist es daher zu Hypothetisieren, das
heisst
»[…] genau zu fragen, wie ein System organisiert ist; wie es, unter allem ihm offenstehenden Möglichkeiten, die Organisation annahm, die sich in der Sitzung tatsächlich
beobachten lässt; wie Symptome zu dem wurden, was sie sind; wie sich gegenwärtige
Beziehungen entwickelt haben.« (Ebd.:129)
Dabei wird auch die Vergangenheit eines Systems in den Blick genommen, nicht
jedoch um lineare, kausale Zusammenhänge zu eruieren, sondern um den Blick
auf die Kontinuität zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu lenken (vgl.
ebd.).
Für die heterogenen Praxisfelder der Sozialen Arbeit lässt sich nun nicht generell festlegen, wie solches Hypothetisieren ganz konkret aussehen mag. Ritscher umschreibt es so, dass Professionelle mit ihren benannten und reflektierten Vorannahmen, ihren Hypothesen, in einen Kreislauf von Fragen eintreten
(vgl. Ritscher 2002:250). In der Hypothesenbildung verschränken sich Beobachtungen und Alltagswissen mit theoretischen Konzepten, sodass Vorurteile
in transparente, überprüfbare und kritisierbare Aussagen überführt werden.
Zentral ist neben einer theoretisch gesicherten Formulierung das bewusste Explizieren von Annahmen. Dafür braucht es aber sog. Erkenntnisnischen beispielsweise in Form von Pausen innerhalb einer Sitzung damit die mitschwingenden Hypothesen auf der Fachebene diskutiert und ausformuliert werden
können (vgl. ebd.:251). Hypothesen sind vorläufige, zu überprüfende Annahmen, welche in der systemischen Therapie anhand ihrer Nützlichkeit gemessen
werden (vgl. von Schlippe/Schweitzer 2016:204). Generell nützlich sind Hypothesen, wenn sie die Funktion übernehmen, Ordnung herzustellen und/oder anzuregen. Die Ordnungsfunktion besteht darin, die vielen Informationen in einem Gespräch nach Relevanz zu sortieren und zunächst im Kopf der Fachkraft
kognitive Ordnung zu bahnen. Anregend sind Hypothesen mit Neuigkeitscharakter sie sollen vorerst der Fachkraft und dann auch dem Klientensystem
neue Perspektiven anbieten und Möglichkeiten eröffnen , ebenso Hypothesen
mit Überraschungsgehalt, Unerwartetem sowie auch Unwahrscheinlichem. Eine
Hypothese aus Sicht der systemischen Therapie ist umso nützlicher, je mehr
Mitglieder eines Problemsystems sie umfasst und in wertschätzender Weise
miteinander verbindet (vgl. ebd.). In der systemischen Arbeit werden neben
dem Gespräch mit unterschiedlichsten systemischen Gesprächsführungstechniken und Fragen auch zahlreiche Instrumente genutzt, beispielsweise das Genogramm, der Zeitstrahl oder die Netzwerkkarte (vgl. Schwing/Fryszer 2013).
Geht es nun darum auf Basis eines mit einer Klientin gemeinsam erstellen Genogramms Hypothesen der Fachkraft zu explizieren, so ist zentral, diese als
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