2026-001/documents/arbeit/pages/221.md
KPG Mentor 0cec1b5740 feat: extract individual page markdown files from PDFs
Generated pages/ subfolders for all documents:
- arbeit: 386 pages
- praxis: 297 pages
- EPG: 11 pages

Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer.
Extracted using pdftotext.
2026-03-05 11:13:56 +00:00

3.1 KiB

Analyse sieht nun vor, die zeitliche Dimensionen in den aktuellen Lebensbereichen zu erfassen. Indem ermittelt wird, wie viel Zeit ein Mensch in einem Mikrosystem verbringt, kann erkannt werden, welches für ihn wesentliche Mikrosysteme darstellen. Mit der Methode der Mikrosystemanalyse soll versucht werden, das Entwicklungspotential in den Lebensbereichen sowie das eigene Entwicklungspotential zu erkennen. Aufgrund von Beobachtungen oder in Kooperation mit einem Klienten werden die verschiedenen Tätigkeiten und deren Qualität (wie z. B. Beobachtungsdyade oder gemeinsame Tätigkeiten) in einem Lebensbereich ermittelt, die sozialen Rollen bestimmt und die Beziehungsformen aufgeführt. Damit kann untersucht werden, welche Mikrosysteme realisiert werden und ob es echte oder unechte Übergänge zwischen den einzelnen Mikrosystemen gibt. Neben dem Erkennen der Entwicklungseinschränkungen geht es in der Mikrosystemanalyse auch darum, Entwicklungsmöglichkeiten zu erschließen, indem entsprechende Passungsangebote im Umfeld oder bei den strukturellen Vorgaben eines bestimmten Lebensbereiches eruiert werden. Diese Form der Analyse kann mit Einzelpersonen im ambulanten, teilstationären wie stationären Kontext angewendet werden. Sie setzt gute Kenntnisse der Lebensbereiche der Klientin voraus, die mittels differenzierter Erhebung gewonnen werden (sollen) (z. B. durch Erkundungsgespräche oder gezielte Beobachtungen, Kap. 8.4, Kap. 8.5). Entlang der beschriebenen Kategorien erfolgt die Auswertung durch die Professionellen, wobei der Miteinbezug der Klientinnen situativ zu prüfen ist. Sie hat u. E. mit großer Sorgfalt zu geschehen. So sollen z. B. aufgrund exakter Beschreibungen Hypothesen zu Beziehungen, Rollen, Tätigkeiten und Übergängen in mindestens zwei Mikrosystemen gebildet werden, um zu Aussagen über mögliche Entwicklungseinschränkungen zu kommen. Die Mikrosystemanalyse bildet eine teilstandardisierte Methode, die in qualitativer Weise auf der Grundlage der systemökologischen Entwicklungstheorie Daten auswertet. In der Schrift von Bronfenbrenner (1981) finden sich keine exakten Angaben zur Durchführung einer Mikrosystemanalyse. Die Anwendung einer solchen Analysemethode kann im Laufe der Ausbildung zur Sozialarbeiterin erlernt werden.

9.7.3

Systemische Analyse

In der systemischen Analyse werden nach der Erfassung der beteiligten Personen und Systeme zunächst Prozesse in den einzelnen Systemen wie auch zwischen den sozialen Systemen erfasst. Das erlaubt, kritische Situationen zu kennzeichnen, sowie Ressourcen und Stressoren zu bestimmen. Aufgrund einer fachlichen Deutung der beschriebenen Situationen aus systemischer Sichtweise werden Hypothesen gebildet, die Ausgangspunkt für die gemeinsame Formulierung von Zielen und Handlungsschritten bilden. Ähnlich der Lebensbereichsanalyse werden zunächst die für eine Klientin relevanten Systeme bezeichnet. Hier können die in Kapitel 9.4 beschriebenen Methoden wie Genogramm oder Netzwerkkarte hilfreich sein ( Kap. 9.4). Aufgrund von Beobachtungen und Klientenaussagen sollen die Dynamiken innerhalb der Systeme (Intra-System-Dynamik) wie