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Professionelle Beziehungsgestaltung nach Gahleitner
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Unter dem Titel ›Soziale Arbeit als Beziehungsprofession‹ hat Gahleitner
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(2017) ein umfangreiches, forschungsbasiertes Konzept entwickelt – und in
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einer weiteren Publikation (2019) praxisnah zusammengefasst – das noch
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einmal weitere Aspekte ins Licht rückt. Sie unterlegt die große Bedeutung
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einer tragfähigen Beziehung zwischen professioneller Fachkraft und Klient
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mit zusätzlichen Argumenten und zeigt darüber hinaus auf, dass und wie
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die neuen Beziehungserfahrungen zum Ausgangspunkt für eine
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Veränderung der gesamten Beziehungen und Netzwerke einer Klientin
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werden.
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Ihr Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass es die Soziale Arbeit oft mit
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Klienten zu tun hat, die aus schwierigen Lebensverhältnissen kommen, mit
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multiplen Problemen belastet sind und bereits viele Beziehungsabbrüche
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und Vertrauensmissbrauch erlebt haben; nicht zuletzt aufgrund dieser
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negativen Bindungserfahrungen sind sie häufig auch von sozialer Isolierung
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betroffen. Dies gilt vor allem aber für den Bereich der niederschwelligen
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Hilfen, wo es um Personen geht, die von bisherigen Hilfeangeboten nicht
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profitieren konnten und die deshalb als ›hard-to-reach‹ bezeichnet werden.
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Die Zerrissenheit und Strukturlosigkeit der Beziehungsmuster lasse sich
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hier häufig bis in das weitere Umfeld und auch in die Hilfestruktur hinein
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verfolgen. Gerade diese ›hard-to-reach‹-Personen bedürften eines
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Beziehungsangebots zu einer zuständigen psychosozialen Fachkraft, die
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alternative Beziehungserfahrungen ermögliche und die dann als ›Lotsin‹
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durch den Prozess dienen könne, so Gahleitner (vgl. 2019:23). Denn
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«Beziehungsarbeit sollte (…) niemals nur auf die Dyade begrenzt
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werden» (ebd.:36), vielmehr gehe es um ein professionelles
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Beziehungsgeschehen im Kontext des gesamten Hilfesystems, um eine
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wirksam angelegte, konsequente ›emotional korrektive Bindungs-,
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Beziehungs- und Netzwerkorientierung und -gestaltung‹ (vgl. Gahleitner
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2017:137). Voraussetzung dafür sei ein beziehungsorientiertes
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diagnostisches Verstehen einer Klientin in all ihren lebensweltlichen und
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biographischen Bezügen, das die Schnittstelle zwischen psychischen,
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sozialen, physischen und alltagssituativen Dimensionen auszuleuchten
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vermag (vgl. ebd.:75). Dazu gelte es theoretisches Wissen aus
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unterschiedlichen Disziplinen zu nutzen und zu verschränken. Als relevante
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Theoriebezüge erläutert Gahleitner die Vertrauenstheorie, die
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Bindungstheorie, die Netzwerktheorie und die Milieutherapie (vgl.
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Gahleitner 2019:23–52). Die Relevanz dieser Theoriestränge hat sie in einer
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Sekundäranalyse von drei empirischen Forschungsprojekten – zu
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therapeutischen Jugendwohngruppen, Hilfsangeboten für Frauen in
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Gewaltverhältnissen sowie einem Beratungsangebot in der psychosozialen
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Onkologie – nachgewiesen. Dabei wurde die Praxis der professionellen
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Beziehungs- und Umgebungsgestaltung analysiert und mit Hilfe der
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verschiedenen interdisziplinären/theoretischen Bezüge konzeptionell
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beschrieben (vgl. 2017:143). Daraus wurden fünf Voraussetzungen für eine
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geglückte professionelle Beziehungsgestaltung in psychosozialen
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Handlungsfeldern abgeleitet (vgl. ebd.:286 f.). Für ihren Praxisband hat
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Gahleitner daraus ein Prozessmodell für eine professionelle
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Beziehungsgestaltung in psychosozialen Arbeitsfeldern entwickelt, unter
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