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2013:127), der sich auf dem Weg zur Profession befinde.
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Eine andere Position geht davon aus, dass Soziale Arbeit bestimmte
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Merkmale des klassischen Professionsmodells gar nie wird erfüllen können
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(aufgrund der erwähnten Bedingungen wie fehlende Autonomie, fehlende
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interne Standeskontrolle etc.). Deshalb könne die Soziale Arbeit lediglich
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den Status einer ›Semiprofession‹, d. h. einer ›halben Profession‹ oder
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›Quasi-Profession‹ beanspruchen. Das Konzept der ›Semi-Profession‹
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stammt aus dem US-amerikanischen Diskurs und bezeichnet Berufe, die nur
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teilweise und unvollkommen eine eigene Kompetenz gegenüber Laien wie
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auch der Gesellschaft durchsetzen können, die also kein klares
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gesellschaftliches Mandat für Probleme in einem spezifischen
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Lebensbereich haben. Daraus resultierten eine diffuse Allzuständigkeit und
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ein geringes Maß an Spezialisierung (vgl. Dewe/Otto 2011:1138 ff.).
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In einem Aufsatz von 1992 bezeichnete Fritz Schütze die Soziale Arbeit
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als ›bescheidene Profession‹. Im Bezugsrahmen der interaktionistischen
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Professionstheorie argumentiert er, dass die Soziale Arbeit zwar nicht über
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eine monopolisierte, exklusive Wissensbasis verfügt und nicht den Grad an
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Autonomie wie die klassischen Professionen erworben hat, dass sie jedoch
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ein gesellschaftliches Mandat für einen besonderen Dienst an Klienten hat
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sowie eine Lizenz, für die anbefohlenen Menschen
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Problembearbeitungsmaßnahmen zu planen und durchzuführen, die zwar
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Hilfe zu bringen versprechen, zugleich aber in die Lebenssphäre von
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Betroffenen eindringen und von diesen selbst als unangenehm oder
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bedrohlich empfunden und u. U. auch abgelehnt werden können (vgl.
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Schütze 1992:142 f.). Dieser Widerspruch sei eine von vielen »universalen
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Systemschwierigkeiten und Paradoxien des professionellen Handelns«, die
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jede Profession grundsätzlich auszeichnen und die in der Sozialen Arbeit
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besonders prägnant zutage treten (ebd.:144).
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Wurzeln eines eigenständigen Professionalitätsmodells
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Seit den 1980er Jahren wurde zunehmend auch die
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Professionalisierungsdebatte selbst hinterfragt, weil sie sich viel zu stark
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am klassischen Professionsmodell ausrichte (vgl. z. B. Gildemeister
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1992:208). So kritisiert beispielsweise Müller (2012a:959 ff.) die
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Professionalitätsansprüche, die an die Soziale Arbeit gestellt werden und
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verweist darauf, dass sich in der Geschichte der Sozialen Arbeit Wurzeln
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finden lassen für ein Professionalitätsmodell Sozialer Arbeit, das
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unabhängig von den Exklusivitätsmerkmalen der klassischen Professionen
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konzipiert ist. Er verortet den Beginn der Professionalisierung der Sozialen
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Arbeit bereits bei der Generation der Gründerinnen beruflicher Sozialarbeit
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und Sozialpädagogik. Dabei unterscheidet er zwei Linien der Begründung
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eines eigenständigen Professionalitätsanspruchs und -modells, wovon sich
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eine auf die Methodisierung, die andere auf die Institutionalisierung der
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Sozialen Arbeit bezieht.
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Alice Salomon steht mit ihrem 1926 veröffentlichten Buch ›Soziale
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Diagnose‹ für die Begründungslinie der Methodisierung. Sie stellte den
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neuen Beruf der Sozialarbeiterin neben die klassischen Professionen
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(Pfarrer, Ärztin, Richter) und begründete dies mit der Entwicklung einer
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eigenen Methodik der Diagnose und Intervention. Deren Besonderheit sei,
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dass sie auf den »ganzen Menschen« eingestellt sei und nicht nur auf
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