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Hochuli Freund
31.7.17 S. 188
Teil 2 Arbeitsfeldspezifische Konkretisierungen und Arbeitsmaterialien
2.2
Einheit der analytisch-diagnostischen Phase
Was im aktuellen (Professionalisierungs-)Diskurs als Soziale Diagnose bezeichnet wird, wird im Konzept KPG aufgeteilt in drei Prozessschritte: Situationserfassung, Analyse, Diagnose.
Uns erscheint diese analytische Unterteilung des Prozesses hilfreich, weil dadurch deutlich wird, welch unterschiedliche kognitive Bewegungen hier verlangt sind: wahrnehmen/erfassen bewerten/herausarbeiten, worum genau es
geht erklären, verstehen/herausarbeiten, welche Bedeutung etwas hat, warum
etwas vielleicht so ist, wie es derzeit gerade ist und Ideen zu generieren, was
getan werden kann/was zu tun ist.
Gleichzeitig kann diese analytische Unterscheidung dieses Prozesses der Sozialen Diagnose auch das Missverständnis befördern, dass der diagnostische Prozess im Konzept KPG auf den Diagnoseschritt beschränkt werde (so die Kritik
von Göbel 2015:64f.). Es braucht das Herausarbeiten der Fallthematik, diese
Klärung, worum genau es geht in einem Fall das, was Schön 1983 Problembestimmung nennt8 bevor eben diese Thematik des Falls genauer erhellt, erklärt,
verstanden werden kann. Wenn die Klärung der Fallthematik eine unabdingbare
Voraussetzung für den Diagnoseschritt ist, dann ist der Analyseschritt ein integraler Bestandteil einer Sozialen Diagnose. Voraussetzung für Analyse wiederum
ist die Erfassung der wichtigsten Daten und Geschichten in einem Fall, also die
Situationserfassung. Die analytische Unterteilung des Prozesses Sozialer Diagnostik in die Schritte Situationserfassung Analyse Diagnose ist lediglich ein
Hilfsmittel.
Wie beim Prozessmodell gilt auch hier: Diese analytisch-methodisch-arbeitspraktische Unterteilung kann auch anders vorgenommen werden (wie andere
diagnostische Konzepte ja zeigen, siehe den Beitrag von Gebert in diesem
Band). Wir halten diese Unterteilung jedoch für die hilfreichste.
2.3
Prozesszyklen und Komplexität
Eine der Begrenzungen des Prozessmodells liegt darin, dass die zeitliche Dimension nicht abgebildet wird. Damit sind auch die unterschiedlichen Möglichkeiten, das Prozessmodell zeitlich zu nutzen, nicht ersichtlich. Es braucht deshalb
Ausführungen zu den verschiedenen Prozesszyklen (wie sie im Lehrbuch in
Kap. 7.3., Arbeit mit dem Prozessmodell, enthalten sind, vgl. Hochuli Freund/
Stotz 2015:140ff.). Weil sich in Bezug auf diese zeitliche Dimension ab und an
Fragen stellen, wollen wir diesen Aspekt hier noch einmal aufnehmen.
In Hinblick auf die gemeinsame Gestaltung von länger dauernden Unterstützungsprozessen wird in mittel- und langfristigen Prozesszyklen von Monaten
bis zu ein oder zwei Jahren gedacht. In Bezug auf Belange des Alltags hingegen
gibt es auch wöchentliche, tägliche, stündliche, minütliche Prozesszyklen (vgl.
ebd.:145; siehe Anmerkung 3). Vielleicht kann die Unterscheidung zwischen in8 Siehe den Beitrag von Hochuli Freund, Denken und Handeln, in diesem Band.
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