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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 68
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Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
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Hilfsmitteln zur Verfügung. Schöns Praxis-Epistemologie wiederum zeigt eine
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Struktur des Vorgehens auf, die gute Praktikerinnen ganz intuitiv nutzen, indem sie schwierige Situationen neu rahmen, sie experimentierend untersuchen
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und auf diese Weise Lösungen entwickeln.
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Gleichwohl sind gemäss allen Konzepten Denken und Handeln aufs engste
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miteinander verschränkt. Sowohl Reflexion (im Sinne von Schön) wie auch Planung sind als Aspekte von Denken zu verstehen, die der Vorbereitung von
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Handlungen dienen, wobei insbesondere Planung direkt zum Handeln überleitet. ›Um planen zu können, braucht man eine Vorstellung über die Zukunft‹,
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heisst es sinngemäss in einem Magazin-Artikel (über die schier unglaublichen
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Fähigkeiten von Oktopussen, vgl. Plüss 2015:10). Planung einer Handlung setzt
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Denken voraus. Das Ziel von (Nach-)Denken, von Reflexion wiederum ist es,
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Handlungsoptionen zu entdecken und Entscheidungen vorzubereiten.
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Aus dem transdisziplinären Vergleich lassen sich mehrere Folgerungen für
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das Konzept KPG ableiten, die ich abschliessend skizzieren möchte.
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• Für das Konzept KPG scheint es wichtig, noch viel deutlicher herauszustreichen, dass von einem komplexen Planungsverständnis ausgegangen wird. Es
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geht um Denken, Planen, Handeln und Reflexion innerhalb jedes Prozessschritts und zugleich innerhalb eines grösseren Prozesszyklus (siehe den
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Beitrag von Hochuli Freund/Sprenger-Ursprung in diesem Band). Ersteres
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verlangt nach einer KPG-basierten Grundhaltung, letzteres basiert auf einem
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in einer Organisation implementierten strukturierten Prozess, an dem unterschiedliche Akteure beteiligt sind. Auch diese organisationsbezogenen Voraussetzungen könnten noch stärker betont werden.
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• Das Konzept von Gigerenzer verweist auf einen manchmal übersehenen Nutzen des Konzepts KPG für Alltagssituationen. In einer kritischen Situation
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mit grossem Handlungsdruck muss Komplexität reduziert werden. Dabei
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können Faustregeln genutzt werden, die sich aus dem Konzept KPG ableiten
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lassen. Kahneman allerdings betont zu Recht, dass solche Heuristiken wissensbasiert sein müssen, dass es professionelles Wissen und Können braucht,
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um zu guten Urteilen zu kommen. Es braucht nicht nur Intuition, sondern
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›skilled intuition‹! Geübte Praktikerinnen sind in der Lage, in Situationen
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von grossem Handlungsdruck zu verlangsamen, innezuhalten und bewusst
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nachzudenken und vermeiden auf diese Weise automatisierte mentale Kurzschlüsse und Fehlbeurteilungen. KPG als Handlungskonzept für die Soziale
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Arbeit präformiert diese Kompetenz, die sowohl eine bestimmte Grundhaltung, einen professionellen Umgang mit Alltagssituationen mit Hilfe von
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Faustregeln als auch einen wissensbasierten, methodisch strukturierten Umgang mit schwierigen Situationen umfasst.
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• Anhand der Praxis-Epistemologie von Schön wie auch dem kognitionspsychologischen Zugang von Kahnemann lässt sich aufzeigen, dass KPG einen
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Prozess des Denkens beinhaltet, der Entscheidungen vorbereitet und auf
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Handeln hinführt. Das Konzept KPG beinhaltet also implizit ein Entscheidungsfindungsmodell, das durchaus auch explizit gemacht werden könnte.
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