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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 128
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Teil 2 Arbeitsfeldspezifische Konkretisierungen und Arbeitsmaterialien
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Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle
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Wenn die Soziale Arbeit die berufliche (Re-)Integration von Klienten in Erwerbsarbeit unterstützt, ist dies als anwaltschaftliche Hilfe zu verstehen, welche
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auf individuelle Schwierigkeiten eingeht, Bedürfnisse und Wünsche aufnimmt
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und Lösungen befördert, die soziale Integration und Teilhabe wieder ermöglichen. Sozialpädagogen nutzen ihr professionelles Wissen für eine bestmögliche
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Unterstützung und Begleitung. Dies ist ihr genuiner Auftrag zur Hilfe. Die (Re-)
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Integration in Erwerbsarbeit liegt aber auch im Interesse der Gesellschaft,
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bauen doch die gesellschaftlichen Sicherungssysteme darauf auf, dass genügend
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Menschen einer Erwerbsarbeit nachgehen. Wer nicht mehr in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt über Erwerbsarbeit eigenständig zu decken, hat Anspruch
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auf Sozialversicherungs- und/oder Sozialhilfeleistungen. Die entsprechenden Gesetze definieren die Rechtsansprüche auf diese Leistungen, sie beinhalten aber
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auch ausdifferenzierte Regelsysteme, unter welchen Bedingungen Leistungen beansprucht werden können. Sozialarbeiterinnen handeln im Auftrag der Gesellschaft, als Vertreterinnen von sozialstaatlich legitimierten und finanzierten Organisationen, wenn sie Klienten bei der (Re-)Integration in Erwerbsarbeit
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unterstützen. Mit dem Auftrag zu dieser Unterstützung ist immer auch der Auftrag zur Kontrolle verbunden, inwiefern ein Leistungsanspruch besteht, ob ›Hilfeempfänger‹ Vorgaben einhalten und sich in der vorgeschriebenen Art und
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Weise um (Re-)Integration bemühen.
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Sozialarbeiter bewegen sich demnach stets im Spannungsfeld einer doppelten
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Loyalitätsverpflichtung sowohl der Gesellschaft wie auch den Klientinnen und
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ihrer Lebenswelt gegenüber (Böhnisch/Lösch 1973:368, Hochuli Freund
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2015:50–53). Professionalität zeigt sich darin, dass diese strukturellen Widersprüche situations- und fallbezogen immer wieder aufs Neue ausbalanciert werden.
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Strukturelles Technologiedefizit
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Das Unterstützungshandeln von Sozialpädagoginnen im Eingliederungsmanagement zielt auf berufliche (Re-)Integration ab. Es geht um die Bearbeitung komplexer Problemstellungen, deren Ursachen vielfältig sind; die Lösungswege können sich sowohl auf die Person (Entwicklung neuer Fähigkeiten, Veränderung
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der Einstellung, soziale Unterstützung etc.) als auch auf eine Veränderung der
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Arbeitsbedingungen (andere Aufgaben, neue soziale Konstellationen) beziehen.
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Nun lassen sich weder Personen noch soziale Situationen zielgerichtet und planmässig verändern – zu mannigfaltig sind die Einflussfaktoren, die möglicherweise wirken. Luhmann und Schorr (1982) haben für diesen Umstand den Begriff ›strukturelles Technologiedefizit‹ geprägt. Während für Probleme, die sich
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auf die Bearbeitung von Materie und/oder den Umgang mit der ökologischen
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Umwelt beziehen, sog. Technologien entwickelt werden können – d. h., bei einer spezifischen Problemkonstellation (A) wird mit einem definierten Verfahren
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(B) eine bestimmte Wirkung (C) erzielt –, fehlen bei sozialen Problemen diese
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