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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 100
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Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
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ist die Analysemethoden-Kategorie ›Perspektivenanalyse‹ von besonderem Interesse:
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»Gemeinsames Merkmal und Zielsetzung der in dieser Kategorie eingeordneten Analysemethoden ist die Multiperspektivität, es werden die verschiedenen Sichtweisen von
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beteiligten Personen auf einen Fall erfasst. Dies kann in unterschiedlicher Weise
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geschehen: indem alle Beteiligten gemeinsam zusammensitzen und ihre Sichtweise darlegen, indem die Sozialarbeiterin die Perspektiven einzelner Beteiligter nacheinander
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erfasst […] und anschliessend analysiert, oder aber indem ein Fachteam die Perspektiven verschiedener Beteiligter rekonstruiert, indem es sie inszeniert.« (Hochuli Freund/
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Stotz 2015:182f.)
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Dazu können beispielsweise die Fragen von Müller (2017) genutzt werden,16
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oder es kann nach Stärken und Schwächen/Problemen, nach Visionen/Wünschen sowie Befürchtungen/Albträumen gefragt werden (vgl. u. a. Boban /Hinz
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2000:136). Entscheidend ist, dass hier immer auch die Beurteilung der Klientin
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selbst erfasst wird. In der Auswertung der Analysedaten – beim Herausarbeiten
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der Fallthematik – wird diese Perspektive besonders gewichtet (vgl. Hochuli
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Freund/Stotz 2015:181). Auch bei sog. Notationssystemen17 wird ausschliesslich die Sichtweise und Einschätzung der Klientin erfasst: bei der Netzwerkkarte ihre Beurteilung der Bedeutung sozialer Beziehungen, beim Genogramm ihre Einschätzung des familiären Beziehungsnetzes, bei der Silhouette
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ihre eigene Bewertung nach Stärken, Problemen, Wünschen und Befürchtungen.18 Auf diese Weise die Sichtweise eines Klienten zu erfragen, trägt dazu bei,
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dass er sich ernst genommen fühlt und damit auch die Arbeitsbeziehung gestärkt wird, dass seine Einschätzung eine der wesentlichen Grundlagen für die
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gemeinsame zielorientierte Arbeit bildet.
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Der Prozessschritt Diagnose (vgl. ebd.:215ff.) beinhaltet die Suchbewegung
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des Fallverstehens: Hier wird nach (wissensbasierten) Erklärungen gesucht für
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das, was schwierig ist für eine Klientin bzw. in einem System (Fallthematik).
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Theoretisches und empirisches Wissen zu nutzen, um einen Fall zu verstehen
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und Ansatzpunkte für eine bestmögliche Unterstützung zu suchen, ist eine
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Expertentätigkeit. Sie beinhaltet aber auch, die wissensbasierten »erklärenden
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Hypothesen« (ebd.:225) in geeigneter Form in den Dialog mit dem Klienten
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einzubringen – und sich damit auf einen gemeinsamen Verstehens- und Verständigungsprozess einzulassen, in dem wiederum die Sichtweise des Klienten
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wesentlich ist.
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Wird der Blick in die Zukunft und damit zunächst auf Ziele (vgl. ebd.:
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253ff.) gerichtet, kommt der Perspektive der Klientin eine besondere Bedeutung
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zu. Ziele umschreiben einen wünschenswerten Sollzustand, der angestrebt wer-
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16 »Was ist für wen ein Problem? Was ist mein Problem? Wer erteilt welches Mandat?
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Wer hat welche Ressourcen? Was ist am vordinglichsten? Wer ist in der Pflicht? Was
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kann ich tun?« (Müller 2017:146).
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17 Das sind Analysemethoden, bei denen Daten und Einschätzungen in strukturierter
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Form visualisiert werden (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:189, Pantuček 2012:155f.).
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Beispiele finden sich unter Hochuli Freund 2013.
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18 Und das Ergebnis (die Netzwerkkarte usw.) gehört der Klientin; für die Akte der Professionellen kann allenfalls ein Foto erbeten werden.
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